Für den Seelenfrieden. Der letzte Beitrag.

Tschüss Partei!

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Ich mach das jetzt nicht vordergründig wegen irgendwelcher Themen oder dergleichen, sondern wegen meines Seelenfriedens.

Ich ärger mich zu oft. Und ich habe andere Prioritäten, die wichtiger sind als mich zu ärgern.

Dieses mich darüber ärgern, dass Leute, Mobber, weiterhin ungeniert als Piraten agieren und mich mit blamieren, ohne dass was passiert. Dass ich mich darüber ärgere und dann noch Nestbeschmutzer bin. Das ist zu viel Energie.

Wie oft habe ich gehört „Wenn du gehst, haben die gewonnen!“? Oft. Sehr Oft.

Tja. Haben sie dann wohl. Aber es ist ja vielleicht auch so gewollt. Denn wer so ein Verhalten nicht mehr akzeptieren will, der hat ja keine Rückendeckung von der Mehrheit der Partei zu erwarten. Sondern immer nur ein „Du reg dich nicht so auf!“ oder ein „Ich sag jetzt nichts, sonst verklagt uns $Person bloß wieder!“
Und dann stehste halt alleine da.
Derlei Dinge kosten unheimlich viel Energie.

Natürlich kann ich mich aufregen, wenn nichts passiert. Und natürlich höre ich dann wieder „Dann bringe dich doch ein und ändere die Sachen, die dich ärgern!“

Ganz ehrlich? Been there. Done that.

Ich war lange genug Landesvorstand und bin zurückgetreten als meine Gesundheit am Arsch war und zum Dank dafür noch jemand die persönlichen Daten des LaVo veröffentlicht hat.

Veröffentlicht, nachdem ich schon Monatelang darunter zu leiden hatte, dass man mir massenweise unerwünschte Werbepost ins Haus schickte, meine Parteimailadresse bei hunderten Newslettern angemeldet hatte und ich meine Parteihandynummer stillgelegt hatte, nachdem ich teilweise eine zweistellige Anzahl von Werberückrufen am Tag bekam, um die ich angeblich in Onlineformularen gebeten hatte. Als dann jemand die privaten Daten des LaVo veröffentlicht hatte und ich befürchten musste, dass dann jemand noch meine Kontodaten oder meine private Handynummer missbraucht, hab ich hingeworfen. Das ist heute übrigens (zufällig) genau ein Jahr her.

Aber ich hab ja dann, nachdem meine Gesundheit wieder einigermaßen auf dem Damm war wieder kandidiert um das mit dem Einbringen und Verantwortung übernehmen zu tun. Wurde aber nicht gewünscht und das akzeptiere ich. Aber es soll keiner behaupten ich hätte mich nicht eingebracht. Ich war noch nie jemand, der am Rand gestanden und gemeckert hat.

Ich habs dann noch im Bundespresseteam bzw. genauer gesagt dem Socialmediateam versucht, wo aber der Wille etwas am chaotischen drauflos posten des ganzen Teams, inklusive einiger harter Fails, zu ändern schon daran gescheitert ist, dass ein Doodle schlicht ignoriert wurde und es nie zu einem Termin kam sich im Team zu besprechen.

Dinge laufen unkoordiniert und es wird nicht besser. Willste was ändern, wirds ignoriert. Super.

Von Geschehnissen, dass ein Mitglied eines Landesvorstandes als humanitärer Helfer nach Idomeni fährt, dann für seine Arbeit und Berichterstattung dort auch von Piraten massiv geshitstormt wird, ganz zu schweigen. Noch schlimmer, dass es für einige Menschen aus dem ÖA Team dann das wichtigste war zu betonen dass dieser Pirat dort nicht im Auftrag der Partei dort ist, sondern mit einer anderen Initiative. Na wenn das die Maxime ist…

Und das waren nur wenige Beispiele aus der letzten Zeit.

Wir gesagt, meine Prioritätenliste sieht momentan andere Dinge vor, als Sodbrennen wegen Parteistress.

Und nein, ich könnte nicht einfach aufhören mich aufzuregen. Geht nicht. Stillhalten war einfach nie meine Art. Also sollen diese Dinge gerne weiterlaufen, aber eben ohne mich.

Habt ihr gemerkt, dass ich gar nicht über politische Themen geredet habe? Stimmt. Ich finde das Programm der Partei eigentlich weiterhin gut. Die Umsetzung ist halt beschissen. Alles verliert sich im Klein-Klein von Bürokratie und Rumgepimmel.

Und als ich jetzt las, wie sich Leute auf einer frisch gewählten Kommunalliste damit brüsteten, dass sie als Antifeministen gewählt wurden, musste ich auch das erste Mal sagen: Würde ich in der besagten Stadt wohnen könnte ich meine eigene Partei nicht guten Gewissens wählen, weil ich davon ausgehen müsste, dass sich diese Kandidaten sich nicht für meine Belange einsetzen oder diese noch verschlechtern würden.

Nein, dies ist kein Parteiwechsel. Ich hab auch gar keine fancy Wechselangebote bekommen, dafür war ich nie wichtig genug. Und außerdem ist mir auch bewusst, dass es woanders auch scheiße ist. Deshalb werde ich nicht kopflos in irgendwelche anderen parteilichen Engagements laufen. Wäre auch irgendwie nicht ehrlich.

Insofern ist das hier an dieser Stelle der letzte Beitrag im Blog. Weiter geht’s bei fraumaja.wordpress.com

Und weil ich weiß, dass die Frage kommen wird: Nein, mein Mann hat mich nicht bequatscht auszutreten.

Hallo Schatz, Überraschung, ich bin heute aus der Piratenpartei ausgetreten!

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Apropos Trolle!

Es reicht mir ja so sehr. Dass Leute rumpöbeln können, Leute, die sich Piraten schimpfen. Dass die das tun können, dass sie falsche Verdächtigungen aussprechen können, dass sie Leuten die geistige Gesundheit absprechen können, et cetera, et cetera.

Und das unwidersprochen. Also… natürlich wird denen widersprochen. Aber von denen, die es immer tun. Die sich immer beschimpfen lassen müssen. Die es nicht mehr aushalten sich immer vorzuwagen und dann auch immer gesagt zu bekommen man müsse diese Trolle doch einfach ignorieren und überhaupt. Hab ich keinen Bock mehr drauf. Ich hab keinen Bock drauf dann, wenn ich widerspreche noch als Nestbeschmutzer dazustehen.

Ich hör immer: Um was gegen Leute machen zu können, muss man ihnen parteischädigendes Verhalten nachweisen.

1. Wenn jemand ganz eindeutig als Pirat rumpöbelt, dann ist das imo sehr schädigend.

2. Selbst wenn es für ein Parteiausschlussverfahren nicht reicht und eine Ordnungsmaßnahmen wirkungslos sind (Ich weiß aus eigener Vorstandserfahrung, dass OMs numal faktisch überhaupt nix bringen, wenn die entsprechende Person nicht vorhat für irgendwas zu kandidieren) gibt es immer noch ‚unformale‘ Methoden auszudrücken, dass die Aussagen von Personen nicht der Parteimeinung entsprechen.
Selbst die SPD, auch wenn ich die echt nicht mag, hat beispielsweise bei Thilo Sarrazin ganz klar gemacht, dass sie ihn zwar formell nicht einfach aus der Partei schmeißen können aber seine rechten Themen nicht der Parteimeinung entsprechen.

Ergo: Man kann gegen so Leute was machen. Wenn man will. Aber das passiert nicht, und darauf habe ich wirklich keine Lust mehr. Echt nicht. Ist 2 vor 12.

Ich bin in ne Partei gekommen, deren Themen ich damals wichtig fand. Das finde ich sogar immer noch, aber so wie jetzt funktioniert das einfach nicht. Die Leute, die kein Mobbing und keine Trolle aushalten wollen, die werden rausgedrängt. Und sofern das nicht die Absicht ist, sollte sich was ändern, und zwar fix.

Wir haben immer noch wichtige Themen. Aber wir sind nicht mehr glaubwürdig. Das ist scheiße. Und wenn Trolle gewähren dürfen wird das leider auch nicht besser sondern immer nur schlechter.

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#Piraten Beziehungskrise Post-#BPT161-Rant

Ja, ich bin immer noch Piratin.
Und nein, das ändere ich dieses Jahr wahrscheinlich auch nicht. Immerhin habe ich meinen Mitgliedsbeitrag überwiesen. Ich bin ja gegen Verschwendung.

Aber ernsthaft, liebe Partei, wir haben da ein ernsthaftes Beziehungsproblem.

Nicht mal, weil ich neuerdings als ‚linksaußen‘ gelte. Nun ja, links von mir sind alle weg. Solche Diskussionen sind auch nur müßig.
Aber auch wenn ich irgendwie politisch links stehe und auch in prepiratärer Zeit gestanden habe, gab es ja Gründe, warum ich Piratin geworden bin und nicht beispielsweise in die Linke gegangen bin um mich (partei)politisch zu betätigen.
Piratenthemen – auch unsere Kernthemen – sind wichtig.

Unsere Welt, unsere Gesellschaft wandelt sich rasend schnell und das Internet ist der Katalysator und das Medium für diesen raschen Wandel. Im Guten wie im Schlechten. Wobei selbst das nur eine unzureichende Umschreibung dafür ist, wie Gesellschaft und Internet mittlerweile miteinander verwoben sind. Gesellschaft ist Internet, Internet ist Gesellschaft. Über den Punkt an dem wir sagen können ‚Ich gehe mal ins Internet‘ sind wir lange hinweg. Und eigentlich waren wir Piraten die, die das mehr und eher als alle anderen verstanden haben.

Ich selbst sehe mich ja als Digital Native.
Nein, ich bin kein Nerd ich war immer Userin.
Denn als ich mit 13 das erste Mal online ging, waren die kuschligen viel beschworenen Anfangszeiten des Internets vorbei. Newsgroups? Pah, ich bin die Generation ‚Ich bin drin, das ist ja einfach!“
Meiner Generation von Usern und allen danach war es egal, wie dieses Internet funktioniert, es kam darauf an, was damit möglich ist, uns zu vernetzen, es ist die DNA unserer Kommunikation. Es ist unsere Bühne der Selbstdarstellung. Es ist der Ort an dem wir sein können, wer wir gerne wären. Likes sind unsere Belohnung und unsere Droge.
Ja, das ist überspitzt. Aber es ist nicht gelogen.

Es ist alles im Wandel. Im rasenden Wandel.

Auch ich verstehe nicht mehr alles, was die ganz jungen Teenies im Netz treiben. Und ich bin erst dreißig!
Aber das muss ich auch nicht. So war es immer, so wird es immer sein. Die jüngeren erfinden die Welt immer neu. Ich muss es nicht nachvollziehen können, wenn Teenies jetzt YouTube Stars zujubeln. Aber meine Eltern haben es vermutlich auch nicht ganz verstanden, dass mit 13 völlig vernarrt in die Kelly Family war. Und meine Oma hat es nicht verstanden, dass mein Vater auf die Rolling Stones stand.

Wir Piraten hatten es mal ganz gut drauf uns den Jüngeren anzunähern. Und wir konnten die Gesellschaft und das Netz erklären ohne dass man ein IT-Studium absolviert haben musste um es zu verstehen.

Als die junge, bekloppte Truppe mit bunten Haaren, Computern und Ponies.
Wir hätten die sein können, über die sich die (scheinbar) unpolitische YouTube-Jugend politisiert und aktiv wird.
Aber wir wollten ja seriös werden.

Natürlich können wir sagen, dass es wichtiger ist in der Augsburger Allgemeinen zu stehen als auf Twitter.

Aber irgendwie haben wir damit die Bedeutung und die Nutzung des Internets für die ganz jungen Menschen komplett verpeilt.
Also den jungen Menschen die das erste Mal wählen dürfen. Und denen, die in Zukunft wählen dürfen und die in Jugendorganisationen aktiv werden könnten. Aber gut, Jugendorganisationen. Das Projekt haben wir ja auch an die Wand gefahren, weil die jungen Leute sich erdreistet haben ihren eigenen Kopf und ihre eigenen Ideen zu haben und nicht zu spuren. Wartet, wie war das gleich mit dem ‚Denk selbst‘? Ja, nur so lange es niemandem weh tut.

Es scheint als hätten wir Angst vor der Jugend! Angst, dass sie uns unser Projekt aus den Händen nimmt und weiterführt und es eben auch ändert.

Natürlich können wir sagen, dass es wichtiger ist in der Augsburger Allgemeinen zu stehen als auf YouTube.

Aber irgendwie haben wir dann übersehen, welche Reichweite einige YouTuber haben.
Natürlich können wir sagen die Abonnenten der großen YouTuber sind alles Bots. Aber das stimmt so nicht, die kriegen mit den in unseren Augen trashigsten Dingen in wenigen Stunden zehn- wenn nicht hunderttausende Klicks. Es gibt YouTuber, die machen einen Stream auf Twitch und haben zwanzig oder dreißigtausend Zuschauer. Zur besten Primetimezeit. Isso.

Naturlich können wir das alles ignorieren. Weil wir die jungen Leute nicht verstehen. Aber das ist halt saublöd. Ich habe auf dem BPT gesehen wie krass sehr den jungen Leuten, die in unserer Partei mitmachen wollen misstraut wird. Eben das ist doch der ganz ganz falsche Weg. Sie sind unsere Verbindung zur Jugend. Sie sind die Spezialisten wenn es darum geht Jugend anzusprechen. Nicht ich als mittelalte 30 jährige. Nicht Leute, die noch älter sind.

Stattdessen meckern jetzt Leute, die sich dafür rühmen ihre Jugend am Amiga verbracht zu haben, darüber, dass Jugendliche die ganze Zeit ihr Handy vorm Gesicht haben. Kann man machen.
Wir sind so schrecklich piefig geworden.

TL;DR: Wir nennen uns eine Internetpartei und haben nicht den Hauch einer Ahnung, wie junge Menschen das Internet nutzen.

Und die Themen. „Wir machen ja nicht nur Kernthemen, wir machen auch Soziales!“ Solche Lippenbekenntnisse sind total toll, aber offenbaren eine Fehleinschätzung, die wir früher nicht so hatten: Dass man diese Themen tatsächlich von einander getrennt sehen kann. Kann man nicht! Das soziale Leben, die Gesellschaft und eine gesellschaftliche Vision hören nicht am Router oder am Bildschirm auf. Deshalb halte ich auch die Trennung nach Kern- und anderen Themen für absoluten Bullshit. Und deshalb habe ich auch gegen den Rootantrag gestimmt. Er verengt das Bild, würgt Visionen ab und wirft uns zurück.

Und dann höre ich: Ja in den Themen arbeitet ja außerdem eh niemand mit. Genau, weil viele Leute, die Visionen und fortschrittliche Ideen hatten schlicht weg sind.

Ja warum bloß? Sie sind dem ‚Aufräumen‘ und der ‚Konsolidierung‘ zum Opfer gefallen.

Eines sollte die Partei nicht vergessen: Wenn die visionären Leute gehen, dann ist das nicht zum Verlust der jenigen Leute, sondern der Partei. Diese Leute haben dann halt mehr Zeit. Und können ihr Know-How gegebenenfalls woanders unterbringen.

Tja. Ich betreue noch nen paar Twitter- und Facebookaccounts und einen kleinen, schnuckeligen Instagram Account der PiratenNRW, mache Pressearbeit mit und schraube mit am Konzept für das Relaunch von piratenpartei-nrw.de. Das sind alles Sachen, die ich kann und die Spaß machen. Aber seien wir ehrlich, die kann ich gegebenfalls auch woanders machen. Und sei es nur lokal in unserem Bündnis gegen Rechts.

Aber wie gesagt, piratige Themen sind wichtig. Aber sie gehen uns selber verloren, wenn wir entscheiden nur der politische Arm von Heise zu sein. Wir waren viel mehr, wir beschneiden uns selbst. Wir werden langweilig, piefig, beliebig und haben auf Bundesebene momentan allenfalls Buzzwords denn Visionen. Kurz – Stinklangweilig und sinnlos.

Und nein, ich weiß nicht, wie meine Zukunft mit der Partei aussieht. Was mich traurig macht.
Oft habe ich nicht den Eindruck, dass ich überhaupt noch erwünscht bin. Nein, es wurde mir sogar schon mehrfach so gesagt. Klar kannste sagen: „Hör doch nicht auf diese Idioten!“ Aber es sind eben auch Leute, über die Vorstände ihre Hand halten. (Nein, damit meine ich ausdrücklich nicht den LaVo NRW)

Ich bin wahlweise ne blöde Linksbizarre, Antideutsche, ne Femnazi oder Sternchenschubserin. Weil es Dinge außerhalb von Kernthemen gibt, die mir wichtig sind.
Wieso soll ich mir sowas reinziehen?
Wieso sollte ich bleiben?

Weil ich die Themen wichtig finde? Themen, die so garnicht mehr da sind?
Ich weiß es doch auch nicht.

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Ich wohnte mal gerne hier.

Was ist nur in diesem Land los?
Ich wohnte mal gerne hier. Nicht, weil ich ein Patriot bin, was kann ich schon für meine Herkunft?
Sondern weil ich mich hier wohlfühlte. Weil ich mir wohl auch meines privilegierten Lebens bewusst war.
Es ist bequem hier zu leben. Auch wenn man nicht reich ist.

Irgendwie hatte ich immer gedacht, dass wir aus der Geschichte gelernt haben.

Naja klar. Da waren die Ausschreitungen in den 90ern. Rostock-Lichtenhagen. Solingen.
Aber ich war damals noch zu jung. Ich erinnere mich nur noch sehr dunkel daran, etwas davon mitbekommen zu haben. Ich erinnere mich an ratlose Erwachsene.

Auf meinem Kleinstadtgymnasium in der Ruhrgebietsperipherie hatten wir eine Klasse mit Kindern aus 8 Nationen. Was für ein Kleinstadtgymnasium wohl ziemlich bunt war. Auch noch Ende der 90er.

Aber wenn dann ein Sternmarsch gegen Rechts in die Nachbarstadt stattfindet und man feststellt, dass außer einem selbst, die ich mich mit dem Thema beschäftigt hatte, niemand erkennt, dass es Neonazis sind, die da an der Strecke stehen und Rechtsrock hören und die Schüler auslachen? Was sagt man da auch als schüchterner Teenager? Wenn man eh komisch angeguckt wird, weil man sich mit dem Thema Nationalsozialismus und rechte Symbolik beschäftigt?

Was sagt man, wenn man im Freibad Leute mit Kameradschaftsshirts sieht?

Wenn ein paar Jahre später in der Nachbarkleinstadt der eigene Bruder zusammengeschlagen wird, weil er ein Punk ist? Was sagt man da? Ich wurde zumindest sehr wütend.
Ich war schon damals Antifaschistin und ging gegen Naziaufmärsche auf die Straße. Aber diese Nazis waren wenigstens bloß eine Randgruppe. Gefühlt.

Ich habe echt immer gedacht: Die meisten Menschen sind doch klüger.
Obwohl ich es eigentlich hätte besser wissen müssen.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis war damals jemand, der ziemlich rechts war. Diese Person lachte mich aus für meine Wut. „Die meisten Leute sind nicht so wie du! Die meisten Leute sind genauso rechts wie ich, sie geben es nur nicht so offen zu!“
Ich habe ihm nicht geglaubt.

Und nun?
Die dünne Decke der Zivilisation scheint zu bröckeln.
Menschen kommen in unser Land um Schutz zu suchen. Und gleichzeitig explodiert die rechte Gewalt und der Rassismus gradezu.
Vor anderthalb Jahren vielleicht noch ein Angriff auf eine Geflüchtetenunterkunft pro Woche und das war schon schockierend. Aber alle beschwichtigten noch. „Ja das sind Idioten! Aber die haben doch keine Mehrheit!“
Nun sind es jeden Tag Angriffe. Oft mehrere.

Vor 2 Jahren sagten wir: „Die AfD ist rechts!“ Und Menschen beschwichtigten: „Hey, die haben auch ihre Daseinsberechtigung!“ Und nun hat sich der liberale Flügel der Partei verabschiedet, sie ist offen rassistisch und rechtsradikal und sie steht bei 12% in den Umfragen.

Letztes Jahr noch habe ich erbitterte Diskussionen darüber geführt, ob man die Ängste von Pegida-Demonstranten ernst nehmen müsse oder ob das einfach nur Rassisten sind. Es gibt Menschen, die deswegen den Kontakt zu mir abgebrochen haben. ‚Weil ich zu links bin‘.
Und nun? In Dresden, Leipzig und anderswo werden nahezu jede Woche Journalisten am Rande von rechten Demos angegriffen. In Leipzig-Connewitz verwüsten Rechte mal eben einen ganzen Straßenzug und setzen ein Haus in Brand.

Ich war immer fest davon überzeugt mit meiner Meinung auf der Seite der Mehrheit zu stehen.
Und nun? Nun vermeide ich das Thema ‚Geflüchtete‘ auf der Arbeit, weil ich weiß, dass ich nicht die Mehrheit bin. Weil ich mir dann Sprüche anhören muss wie „Also ich würde nicht am Bahnhof stehen und klatschen!“. Verdammt. Ich war am Bahnhof und hab die müden aber glücklichen Menschen gesehen, die sich endlich in Sicherheit wussten. Aber was soll ich sagen? Menschen glauben lieber dem Internet wo der Hass aus den Kommentarspalten quillt.

Parteien überschlagen mit Plänen, wie man Schutzsuchende möglichst schnell wieder los wird. Und der große Gewinner ist immer noch die AfD, welche auf alle rechtspopulistischen Forderungen noch eins drauf setzt.

Freunde erzählen, dass sie sich überlegen, wohin sie gehen, wenn die politische Lage im Land noch schlimmer wird. Weil sie sich als Menschen, die sich gegen Rechts stellen, nicht mehr sonderlich sicher fühlen und Angst vor der Zukunft haben.

Ja, wir haben immer gedacht unsere Kultur, unsere Demokratie, die ist zu stark, als dass ’sowas wie damals‘ noch mal passieren kann.
Wir sind doch schließlich das Land der Dichter und Denker?

Aber das berühmte Goethe und Schiller Denkmal in Weimar, das Sinnbild der so gelobten deutschen Kultur, liegt auch keine 10 km Luftlinie vom KZ Buchenwald entfernt.

Nein, ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich hier gerne wohne.
Und ja, ich hab auch Angst vor der Zukunft.

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Zeit für Debatten?

Ist jetzt nicht die richtige Zeit für eine Sexismusdebatte?

Doch, ist es. Sexismus, sexualisierte Gewalt, Benachteiligung von Frauen und wie man diese Dinge bekämpfen kann, sollten immer ein Thema sein. Wer meint diese Themen seien unwichtig und Diskriminierung eigentlich nicht so schlimm, sollte sich fragen, was das über ihn oder sie aussagt.

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Kommentar hinterlassen

#rapeculture. Oder: Wieso ich mich heute Feministin nenne.

Let’s talk about rape culture!

Ich bin eine Frau. Und ich äußere mich politisch.

Allein das scheint für einige Männer (Ja, es waren bisher immer nur Männer) Grund genug sein, ausfällig zu werden. Und zwar ausfällig auf einer bestimmten Ebene.

Einige Beispiele:

  • Es geht um Meinungsfreiheit und eine heißdiskutierte Distanzierung von einem Verschwörungstheoretiker.
    Ein Parteigenosse, welcher anderer Meinung ist als ich, postet auf Twitter das Bild einer gefesselten Frau mit einem saftigen Kommentar in meine Richtung. Unterwerfungsfantasien.
  • Letzten Sommer. Ich so „Refugees Welcome!“ Dazu von einem männlichen Zeitgenossen: „Tja, du kriegst halt keinen Deutschen ab, deshalb musst du ‚die‘ Willkommen heißen!“
  • Letzten Dienstag: Tobi weiß bescheid:

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Diese Kommentare und Sprüche greifen mich auf einer Ebene an, die ich nicht ändern kann: Auf der meines Geschlechtes.

Dies verhindert von vorn herein eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, bei der man Argumente austauscht und seine Meinung gegebenenfalls ändert. Denn es ist ja nicht so, dass ich mich für fehlerfrei halte und niemals bereit bin meine Meinung zu überdenken, wenn mir jemand gute Argumente liefert. Hier muss ich dann immer annehmen, dass entsprechende Herren schlicht keine Argumente für ihre Meinung haben.

Stattdessen wird mit meinem Geschlecht meine ganze Person in Frage gestellt.

Das ist eine hervorragende Art sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, dass ich vielleicht recht haben könnte und es zeigt auch die ganze Verachtung, die solche Menschen Frauen gegenüber an den Tag legen, oft gepaart mit einem unerträglichen Rassismus.

„Sie hat noch keine negativen Erfahrungen mit Belästigungen durch $ethnischeGruppe gemacht? Das liegt natürlich nicht daran, dass $Gruppe nicht böse ist, sondern dass sie so wenig attraktiv ist, dass sie eh niemand ficken will!“

Solche Sätze sagen genau eines: „Du als Frau kannst es als Qualitätsmerkmal ansehen, wenn du belästigt oder vergewaltigt wirst, denn dann bist du attraktiv genug um als Frau (und Mensch) angesehen zu werden!“

Das ist abstoßend, ekelerregend, widerlich! Rape Culture in Reinform.

Ebenso widerlich sind eben sind diese Kommentare, die Unterwerfungsfantasien beinhalten. Sie beinhalten immer den Subtext „Wenn ich jetzt in deiner Nähe wäre, würde ich … mit dir tun!“

Sie zeigen die Geringschätzung, sie degradieren mich zum Objekt irgendwelcher Fantasien, und sie nehmen mir die Augenhöhe.

Aber solche Angriffe und Abschätzigkeiten haben auch eines bewirkt: Früher hätte ich mich nicht als Feministin bezeichnet. Heute tue ich das schon.

Einfach, weil es nötig ist Feministin zu sein. Weil ich zu oft einer sexistischen bzw. sexuellen Ebene angegangen wurde, wenn es um Politik, Meinungen und Kritik ging. Ich will nicht mehr gefragt werden, ob ich untervögelt bin, wenn ich eine andere Meinung habe und mein Gegenüber keine Argumente hat. Ich will keine Unterwerfungsfantasien über mich mehr lesen, weil ich einem Mann zu stark wirke.

Rape Culture ist Realität. Und sie hat mich zur Feministin wider Willen gemacht.

Disclaimer: Wenn Du dich als Mann von diesem Text angegriffen fühlst, bist du wahrscheinlich gemeint. Männer, die Frauen auf Augenhöhe ertragen und respektvoll behandeln, dürften durchblicken, dass sie nicht gemeint sind.

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Die Frage nach der Gewalt. Ein Nachtrag zum #lptnrw152

Auf dem #lptnrw152 der Piraten wurde ein Kandidat, Jojo, zu seiner Meinung zu (politischen) Gewalttaten befragt.
Seine Antwort war in etwa: „Ja, Gewalt ist ein politisches Mittel, aber ich heiße dieses Mittel nicht gut.“

Einige Menschen schüttelten daraufhin empört den Kopf. Gewalt? Ein politisches Mittel? Das geht nicht! Das kann man so nicht sagen!

Zu dem Thema sage ich jetzt mal provokativ: Gewalt ist nicht nur ein politisches Mittel, es ist vermutlich sogar das älteste politische Mittel.

Schon immer wurde Gewalt benutzt, um Machtverhältnisse zu verschieben, sich gegen Gegner durchzusetzen. Das ist weder etwas neues noch etwas sonderlich skandalöses.
Ob in der Steinzeit Menschen mit Steinschleudern aufeinander losgingen, im Mittelalter ein Fürst gegen den anderen zu Felde zog oder die USA mal wieder in den Irak einmarschiert. Gewalt gegen Menschen und gegen Dinge wurde immer dort eingesetzt, wo Worte entweder nicht halfen oder einfach als überflüssig erachtet wurden.

Die Frage ist also eher: Sieht man Gewalt als legitimes politisches Mittel?

Und selbst diese ist nicht undifferenziert mit ‚ja‘ oder mit ’nein‘ zu beantworten.
In unserem Staat liegt das Gewaltmonopol bei eben diesem.
Als Vertreter einer demokratischen Partei, in der man sich geeinigt hat das bestehende System anzuerkennen und innerhalb dessen verändernd zu wirken, ist es also eher nicht geraten zu Gewalttaten abseits dieses Gewaltmonopols aufzurufen.
Bleibt der Blick auf die Gewalt, die der Staat innerhalb seines Gewaltmonopols ausübt. Sind Polizeiknüppel gegen Demonstranten in Ordnung? Sind Kampfeinsätze der Bundeswehr legitim? Wann sind diese Formen von Gewalt in Ordnung? Wo liegen die Grenzen?

Ihr seht, die Frage nach Gewalt und Politik ist alles andere als einfach zu beantworten. Dafür muss sie differenzierter gestellt werden.

Aber davon abgesehen: Wir leben im Jahr 2015. Einem Jahr, in dem wir bisher tagtäglich mit politisch motivierten Gewalttaten konfrontiert waren. Immerhin gab es allein in den ersten 3 Quartalen über 460 Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte. Ja, dort sehen Menschen Gewalt als legitimes Mittel um politische Ziele durchzusetzen. Und ja, wir sind uns sicherlich alle einig, dass dies niemals legitim oder auch nur nachvollziehbar ist. Aber es passiert. Davor die Augen zu verschießen aus, aus der bloßen Weigerung heraus, anzuerkennen, dass Gewalt bisweilen als politisches Mittel eingesetzt wird, das wäre fatal. Denn dann kommen dabei Meldungen heraus wie das Statement des Hagener Staatsanwaltes, der kürzlich nach dem Brand in einer Altenaer Geflüchtetenunterkunft in etwa Folgendes sagte: „Der Täter hatte keine rechtsextremistische Motivation, er hatte nur Angst vor den Geflüchteten.“

Hier könnten wir über eine weitere Aussage von Jojo diskutieren. Nämlich darüber, ob das Löschen von politisch motivierten Bränden wiederum politisch ist. Hier werfe ich mal von meiner Seite aus ein klares ‚Jein‘ in den Raum.

Die Feuerwehr hat erst einmal den Auftrag und die Pflicht Brände zu löschen. Sie darf dabei keinen Unterschied zwischen den Bränden machen. Brennt eine Geflüchtetenunterkunft, muss sie löschen. Brennt das Haus eines Nazis, muss sie ebenfalls löschen. So ist das. Dafür gibt es eine Feuerwehr.
Ich finde es wichtig und richtig, dass die Feuerwehr politisch neutral handelt und ohne Ansehen des Geschädigten Brände löscht.

Politisch würde die Feuerwehr imo erst, wenn sie sich weigern würde Brände zu löschen, weil ihr bspw. die politische Ausrichtung des Geschädigten nicht passt. Und das wäre eine Katastrophe. Eine Zeit, in der Feuerwehrleute zuschauten, als es politisch brannte, die hatten wir schon mal. 1938. Das darf nie wieder passieren.

Ach ja. Falls sich jemand fragt, wie ich über Gewalt denke: Ich weigere mich bislang sogar Lasertag oder ähnliches zu spielen, weil ich nicht mal mit Spielzeugwaffen auf andere zielen mag.

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