Lieber Sexist. Ein Brief.

Lieber Sexist,

weißt du, ich bin ein schlagfertiger Mensch. Ich habe eine große Klappe. Ich mache selber auch gerne zweideutige Witze. Wirklich.

Und meistens stört es mich nicht, wenn mal jemand einen Witz auf meine Kosten macht.

Aber gestern, das ging zu weit. Ich war eine von zwei Frauen an unserem Stammtisch. Ich war mit Abstand die jüngste. Ich habe mich vorher schon nicht von dir ernst genommen gefühlt.

Und dann hast du diesen Satz gesagt.

Eigentlich ging es ja um ein völlig anderes Thema. Ein Thema aus der Kommunalpolitik. Dein Kumpel sagte, dass er da von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.

Ich möchte es noch mal wiederholen, lieber Sexist. KOMMUNALPOLITIK!

Und was war deine Erwiderung?

Du drehtest dich zu mir um uns sagtest (Ich kann den genauen Wortlaut nicht mehr wiedergeben) sowas wie: „Also zum Blasen können wir ja die Frau in unserer Runde fragen!“

Lieber Sexist, ich weiß, ich habe in diesem Moment gegrinst. Das war Hilflosigkeit. Mir fiel nämlich keine passende Antwort ein. Wenn man in einer Runde voller Männer steht, von denen die meistens mindestens 20 Jahre älter sind als ich, die einen plötzlich mit einem mal alle anstarren, ja da fällt eine Antwort schwer. Vorallem wenn man sich nicht die Blöße geben will, schockiert zu sein.

Ich verschanzte mich stattdessen hinter meinem Handy und habe mich nicht mehr am Gespräch beteiligt.

Später ging es um den anstehenden Wahlkampf und meine Direktkandidatur. Darum, dass die CDU im Wahlkreis ebenfalls eine junge Frau ins Rennen schickt. Da lieber Sexist, war dein Kommentar „Ja, dann machst du uns halt die Domina!“. Ich habe wieder darüber hinweggelächelt. Ich habe immerhin gesagt, dass das nicht lustig ist.

Später bin ich bei einem anderen Thema ausgerastet. Habe dir an den Kopf geworfen, dass du ein sexistisches Arschloch bist und du die Fresse halten sollst.

Du sagtest, ich hätte wohl keine gute Kinderstube gehabt.

Doch, lieber Sexist, die hatte ich. Denn meine Eltern haben mir beigebracht, dass ich mich wehren soll, wenn mir jemand weh tut.

Und nein, ich werde mich nicht für meine Wortwahl entschuldigen. Ich werde mich überhaupt für garnichts entschuldigen.

Ja, da sind diese Scheiß-Gedanken in meinem Kopf. Die Stimmen, die mich Fragen, ob ich sonst mit meiner Art und mit meinem Humor zu offen war, ob ich nicht selber Schuld bin, wenn ich dann solche Sprüche von dir zu hören bekomme.

Die Frage, ob ich mich nicht wirklich für meine Wortwahl entschuldigen muss.

Ob ich etwas falsch gemacht habe.

Aber, lieber Sexist, das ist es nicht. Ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich bin nicht selber schuld.

DU hast mich vor der ganzen Runde bloßgestellt. Du hast mich zum Objekt herabgewürdigt, du hast klar gemacht für was ich für dich als Frau tauge. Für was für dich vermutlich Frauen allgemein taugen. Fürs Blasen.

Das war verletztend. Und erniedrigend. Auch für eine Frau mit einem gewissen Selbstbewusstsein.

Nein, lieber Sexist, ich werde mich nicht entschuldigen, dass ich dich angebrüllt habe. Dass ich dich ein sexistisches Arschloch genannt habe. Denn das bist du.

Und das wollte ich dir hier noch einmal sagen.

-Maja


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10 Antworten zu Lieber Sexist. Ein Brief.

  1. erzaehlmirnix schreibt:

    “Also zum Blasen können wir ja die Frau in unserer Runde fragen!” – „Danke, aber wenn Ihre Eltern den Zeitpunkt verpasst haben sie sexuell aufzuklären möchte ich nur ungern die Erklärbärin spielen. Vielleicht möchte einer der Herren da einen Erfahrungsbericht liefern.“ ^^

  2. Slash schreibt:

    Wer war denn da noch auf dem Stammtisch, und hatte nicht den Mumm, dir beizustehen ?! =/ …

  3. Pingback: Nestbeschmutzung | zeitrafferin

  4. bayernpauline schreibt:

    Liebe fraumaja, ein „gewisses Selbstbewußtsein“ reicht in dieser Männerwelt nicht! Sie sollten sagen: ich bin selbstbewußt! Beim nächsten Mal – und das kommt garantiert noch oft – sollten Sie sofort Ihr Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen mit Ellenbogen zeigen. Es gibt Millionen von solchen Arschlöchern, aber nicht nur Männer, sondern auch Frauen können das auf ihre Art sein. LG bayernpauline

  5. k-nut schreibt:

    Ein verklemmtes Verhältnis zur Sexualität ist meiner Ansicht nach die Ursache für Sexismus. Zwar wird in den Medien die Sexualität vordergründig als normal dargestellt, ist aber de facto immer zweckdienlich benutzt. Sei es als Sensation oder als Darstellung der Triebhaftigkeit. Unaufgeregte entspannte Sexualität hat in den Medien keinen Platz.
    Bei der Situation mit dem tuten & blasen kannst Du erkennen, dass dies nicht noch nicht einmal Frauenfeindlich ist. Für den Sexist kommt ja noch nicht einmal ansatzweise in Betracht, dass diese sexuellen Handlungen bei Sex zwischen Männern wahrscheinlich viel häufiger vorkommt als bei heterosexuellen Handlungen und vollkommen normal ist.
    Wer auf verbale Schlüsselreize (tuten&blasen) so Zwanghaft reagiert, versucht sein gestörtes eigenes Verhältnis zur Sexualität zu überspielen (insbesondere vor sich selbst). Das er bei diesem verbal elaborierten, für sich selber gedachten Mutmachgebrüll, im zwischenmenschlichen Miteinander andere verletzt, wird, wenn überhaupt, als Kolateralschaden wahrgenommen.

  6. Pingback: Netzbeschmutzung | Der Aufschrei

  7. Pingback: Zum #aufschrei « Ein Streifzug durch den öffentlichen Raum

  8. Melanie MP schreibt:

    Das geht gar nicht. Ich hoffe der Mensch bekommt spätestens nach Offenlegung seiner sozialen Unfähigkeiten künftig mehr Gegenwind. Armselig ist so ein Verhalten und zeigt lediglich, dass hier ein Mensch ist, der so eine arme Wurst ist, das er es nötig hat eine vermeintlich schwächere anwesende Minderheit herabsetzen muss.

    Allein unter Frauen, würde er solcherlei nie wagen, weil er genau weiß wie armselig ein solches Verhalten ist, es aber in mancher Männer-runde den Witzereißer als humorvollen Haudegen da stehen lässt. Ein Mann der in sich gefestigt und ein ausgewogenes harmonische Sexualleben hat, hat solch ein Verhalten nicht nötig. Von daher könnte Mensch ein solches Exemplar Mann eigentlich nur mitleidig belächeln. Allerdings würde ich das tun, nachdem ich ihm seine Grenzen aufgezeigt habe…

    Entschuldigen muss sich der Sexist und zwar nicht nur bei Dir Maja, sondern bei allen Frauen in seiner Umgebung.

  9. Rudi schreibt:

    Ich möchte Dich bitten, einen Antrag auf Ordnungsmaßnahme der Stufe 1 oder 2 zu stellen. Sollte sich derjenige soetwas häufiger leisten, und bereits OM erhalten haben, gerne auch auf „Abererkennung ein Parteiamt zu bekleiden“.
    Es gibt Menschen die reagieren auf einen formalen Tadel und ändern ihr Verhalten. Mit denen die das nicht schaffen, will eigentlich Niemand langfristig etwas zu tun haben.

    Formulerungsvorschlag für den Teil mit dem Schaden:

    …die Partei zu schädigen, da derartige Anwürfe das parteiinterne Diskussionsklima nachhaltig schädigen, indem

    – potentielle Diskussionsteilnehmer für sich ebensolche derartige Herabwürdigungen befürchten und deshalb eine Meinungsäußerung unterlassen oder
    – derart angegriffene Diskussionsteilnehmer die innerparteiliche Diskussion auf Grund derartiger Anwürfe einstellen.

    Die Äußerungen stellen deshalb einen Schaden für die Piratenpartei dar.

    • FrauMaja schreibt:

      Naja, guck mal aufs Datum. Das ganze ist über anderthalb Jahre her. Allerdings… sollte ich jemals hören, dass sowas nochmal vorkommt…

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