Ein Jahr Pirat


Heute vor einem Jahr habe ich meinen Mitgliedsantrag um Mitglied der Piratenpartei zu werden abgeschickt. Seit einem Jahr bin ich Pirat!

Ich habe hier einige Dinge aufgeschrieben, die mir bei den Piraten wichtig geworden sind, wie es anfing, was als nächstes kommt. Keine klare Linie, nur ein paar Gedanken.

ACTA.

Der letztendliche Grund für meinen Eintritt bei den Piraten. Wir gingen bei -10°C auf die Straße um gegen ACTA zu demonstrieren. Mit hunderten Menschen liefen wir durch Dortmund. Beeindruckend, wie viele Menschen selbst bei diesen eisigen Temparaturen gekommen waren. Weil es wichtig war. Weil es einen Nerv getroffen hatte. Weil vielen vielen Menschen klar geworden war, wie wichtig es ist für unsere Freiheit zu demonstrieren. Ich hatte mich schon sehr über die Vorratsdatenspeicherung empört. Aber damals, 2008/2009 hatte ich die Piraten noch garnicht auf dem Schirm. Deshalb würde ich nie sagen: Ich war damals schon Pirat. Pirat bin ich erst bei den Piraten geworden. Aber damals hat mich unheimlich frustriert, dass ich beim Thema VDS nur Achselzucken und leere Gesichter sah. „Ich habe ja nichts zu verbergen!“ Wenn ich sowas nur höre. Selbst wenn ich nichts zu verbergen habe, was interessiert den Staat auf welchen Seiten ich surfe und wem ich Emails schreibe und wen ich anrufe. Der hat das nicht zu speichern. ACTA als anderes Thema, aber nun hatte ich endlich auch die Piraten auf dem Schirm und eine Partei gefunden, in der für mich soweit alles stimmte um auch mitmachen zu können.

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Wahlkampf NRW.

Am 18.2.2012 hatte ich also meinen Mitgliedantrag abgeschickt. Die Bestätigung kam ein wenig später. Ungefähr 10 Tage später löste sich der Landtag in NRW auf und ich fand mich mitten in einem Wahlkampf wieder. Ich stand mir auf Infoständen die Beine in den Bauch, führte Gespräche mit Bürgern, knotete im Akkord Ballonsäbel. Das war sehr spannend und lehrreich. Der krönende Abschluss dieser Zeit war die Wahlparty im Düsseldorfer Zakk und der Einzug der Piraten in den Landtag. Dort entstand übrigens folgendes Erinnerungsfoto…

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Denken. Rollenklischee.

Bevor ich Mitglied der Piratenpartei wurde, war ich lange Zeit in einem freikirchlichen Umfeld unterwegs. Keine Rock- und Zopf Gemeinde, eher locker aber im Nachhinein betrachtet auch sehr konservativ und von schwarz-weiß-denken geprägt. Grade was Geschlechterrollen angeht. Und bei Dingen die man ‚darf‘ und ’nicht darf‘. Ich glaube hier hat sich mein Denken sehr geändert. Ich habe früher oft versucht mich irgendwie in die mir vorgegebene Rolle der Frau einzufinden. Andererseits habe ich verzweifelt dagegen gekämpft, wenn mich wieder einmal jemand mit den Worten ‚die Frau sei dem Manne Untertan‘ oder ‚die Frau schweige in der Gemeinde‘ abgebügelt hat. Ich bin froh, dass ich diesem Denken entkommen bin, indem ich dieses Umfeld verlassen habe. Ich glaube immernoch an Gott, aber ich habe mein Denken durch viele interessante Menschen, die ich bei den Piraten getroffen habe, sehr erweitert. Männer, Frauen, Eichhörnchen. Sind Rollen wichtig? Nein, sind sie nicht. Ich bin in vielen Dingen das, was man ‚typisch Frau‘ nennt, aber ich bin auch ein ganzer Kerl. Quasi. Ich bin ich und ich muss mich nicht verbiegen um irgendeine Rolle zu erfüllen. Und nebenbei gesagt, ich denke Gott mag mich trotzdem.

Kommunale Arbeit.

Ich wohne im Ennepe-Ruhr-Kreis. Wir haben hier 9 Städte, 3 Stammtische und keine wirklich gute Vernetzung auf NRW-Ebene. Das empfinde ich als große Herausforderung und oftmals schwierig. Wir haben Menschen an unseren Stammtischen, die keine Ahnung haben, wie die Piratenpartei normalerweise arbeitet und ein Pad noch nie von innen gesehen haben. Die die ganzen englischen Fachausdrücke nicht verstehen. Also denen die typische Piratenarbeit und die typische Piratenkommunikation und der typische Piratenslang fremd ist. Diese Menschen miteinzubeziehen erfordert manchmal Kreativität oder manchmal auch einfach eine halbe Stunde vor einem PC. Aber es geht voran. In kleinen Schritten. Wir schreiben Pressemitteilungen. Wir tun unsere Meinung zu kommunalen Themen kund. Das ist eine Menge Arbeit, aber mit zunehmender Vernetzung sollten auch die bestehenden Probleme abnehmen. Ich hoffe, dass ich da als Teil des Büropiratenteams zu beitragen kann.

Direktkandidatur.

Im September 2013 wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Für mich selber ob des klaren Ergebnisses überraschend wurde ich im Januar zum Direktkandidaten im Wahlkreis 138 (Ennepe-Ruhr-Kreis II und Hagen) gewählt. FrauMaja macht also das mit der Bundestagskandidatur. Also die Chancen sind natürlich gering ein Direktmandat zu gewinnen. Aber ich bin motiviert die Piraten im Wahlkreis würdig zu vertreten, an Infoständen, bei Podiumsdiskussionen, bei kreativen Aktionen… das wird ein Spaß. Vermutlich werde ich ab September nicht im Bundestag sitzen. Aber ich möchte den anderen Parteien Prozente abknöpfen. Mein zweites Jahr bei den Piraten verspricht also spannend zu werden.

 

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