Thema bezahlte Vorstände. Einige Gedanken.

Wir haben geredet. Am Wochenende in Kerpen.

Ich war beim Forum Struktur dabei und unter anderem ging es dort um das Thema ‚bezahlte Vorstände‘. Ein Thema wo ich kurz Bammel hatte, dass es in eine Neiddebatte ausartet oder in Vorstandsgebashe. Aber dann war es doch eine gute und konstruktive Diskussion.

Es haben sich zwei Seiten der Diskussion herausgestellt. Einerseits: Was kann und will man Vorständen bezahlen. Und andererseits: Welche Erwartungen werden an einen bezahlten Vorstand gestellt.

Wenn es darum geht ob man Vorstände bezahlen KANN ist in NRW erstmal die Antwort klar: Nein, können wir nicht, Thema durch. Aber auf der #wmr13 waren ja nicht nur Menschen aus NRW dabei und wir haben nicht nur bezogen auf NRW diskutiert.

Klar war sich die Gruppe schnell darüber, dass es nicht attraktiv ist, sich für ein Jahr für einen Vorstandsposten wählen zu lassen, der zwar gut bezahlt ist, für den man dafür einen festen Job aufgeben müsste. Dafür ist der Arbeitsmarkt grade für Angestellte einfach viel zu unsicher. Ich selbst würde dann wohl nicht kandidieren. Einen (demnächst auch unbefristeten) Arbeitsvertrag würde ich nicht aufgeben.
Wer weiß wie eine Amtszeit läuft. Und wer weiß, ob man wieder einen Job findet. So kann das nicht funktionieren.

Im Vergleich zu anderen Parteien muss man hier natürlich sehen: Dort sind die meisten Vorstände auch Mandatsträger. Die sitzen im Bundestag oder in Landtagen und verdienen dort ihr Geld und müssen nicht auf einen Arbeitgeber Rücksicht nehmen.

Dann stellt sich die Frage, will man Vorstände anders entlohnen?
Natürlich wäre es eine Hilfe ein Budget zu haben, von dem man Reisekosten zahlen kann ohne jeweils alles einreichen zu müssen. Oder von dem man sich ein Zimmer bei einem LPT leisten kann. So wie man Menschen in manchen Vereinen eine Aufwandsentschädigung zahlt. Ein Mitdiskutant sagte in der Runde: „Vorstände übernehmen Verantwortung, sie sollten für diese Verantwortung nicht noch draufzahlen müssen.“

Hier kam kurz die Frage auf, ob man vielleicht nur bestimmte Positionen eines Vorstandes bezahlen sollte, wie z.B. den Vorsitzenden und den PolGF. Das finde ich aber nicht praktikabel. Diese Positionen stehen zwar am meisten in der Öffentlichkeit, der Rest arbeitet aber genauso hart. Als Beisitzer arbeite ich viel im Hintergrund, aber es ist trotzdem viel Arbeit. Das wird bei den Beisitzern anderer Landesvorstände vermutlich nicht anders sein.
Aber dort angemessene Beträge zu zahlen wird sicherlich wenigen Landesverbänden möglich sein.

Wie also kann man dafür sorgen, dass Vorstände ehrenamtlich arbeiten können?
Wir sind zu dem Punkt gekommen, dass es zum Beispiel gut wäre bezahlte Verwaltungskräfte zu haben, die nicht Teil des Vorstandes sind.
In NRW haben wir ja schon eine bezahlte Angestellte, das ist auch gut so, weil uns das viel Arbeit abnimmt und auch über den Wechsel des Vorstandes hinaus Kontinuität bietet.

Überhaupt ist Kontinuität und Wissensmanagement wichtig, das haben wir in unseren Diskussionen über Struktur festgestellt.
Dies kann natürlich geschehen, indem man Vorstände bezahlt und dann vielleicht die Amtszeiten verlängern würde.
Oder man arbeitet eben daran Arbeit und Knowhow weiter zu verteilen.
Etwa in dem man um die verschiedenen Vorstandsposten Teams aufbaut, die auch über die Amtszeit des Vorstandes hinaus bestehen.

Dies sehe ich in NRW bisher im Finanz-Awareness-Team, das in der Schatzmeisterei mitarbeitet. Hier wird die Arbeit auf viele Schultern verteilt. Die Teammitglieder bringen auch Knowhow mit. Aber das ganze kann eben auch bestehen bleiben, sollte mal der Schatzmeister wechseln.

Dies kann auch bei anderen Vorstandsmitgliedern der Fall sein. Hier ist es aber nötig, dass die Aufgaben der verschiedenen Posten klar definiert sind. Wenn Arbeit verteilt ist, liegt diese nicht allein auf den Schultern der Vorstandsmitglieder, auch wenn diese immer noch die Hauptverantwortung tragen.
Gut gesetzte Beauftragungen tragen aber dann dazu bei, dass Vorstände nicht ausbrennen.
Ich denke darüber kann man nachdenken und das Ganze aufbauen. Dann sind auch keine ‚Vollzeit-Vorstände‘ nötig.

Letztendlich muss man bei Geld- und Personalfragen immer erstmal schauen: Was ist möglich? Und dann: Was machen wir daraus?

Ich persönlich sage: Ich habe dieses Jahr viel Geld für Piraten ausgegeben. Einerseits wegen des Wahlkampfes, andererseits wegen Vorstandsdingen.
Ich habe allerdings auch noch nie Fahrtkosten erstatten lassen. Weil es mich zumindest im Moment nicht arm macht. Allerdings kann ich für andere private Dinge auch kein Geld zurücklegen. Aber das wusste ich vorher.

Eine pauschale Aufwandsentschädigung zur freien Verfügung wäre natürlich komfortabel. Aber realistisch gesehen bin ich momentan gegen bezahlte Vorstände, zumindest auf NRW-Ebene, und denke man kann die vorhandenen Probleme anders lösen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Demokratie, Piraten, Vorstandsarbeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Thema bezahlte Vorstände. Einige Gedanken.

  1. Finanztechniker schreibt:

    Kosten abrechnen und wenn man will der Partei Spenden – erhäht das nicht den Anteil der Parteispenden und behebt bzw verkleinert die Lücke zur Ausschöpfung der Parteienfinanzierung?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s