Warum? Über Ungehorsam.

 Remember, remember the fifth of november…

da möchte ein religiöser Extremist das britische Parlament in die Luft jagen und heute feiern ihn Menschen dafür.
Wie konnte das passieren? Ganz einfach. Im Laufe der Zeit wurde das Gedenken an die Taten des Guy Fawkes umgedeutet in einen Gedenktag für den zivilen und politischen Ungehorsam.
Ein Denkanstoß, eine Aufforderung, die heute wichtiger ist denn je.

Ungehorsam. Sollen wir etwa Gesetze brechen und zu Verbrechern werden?

Nein. Ich verstehe zivilen und politischen Ungehorsam auch darin Gesetze und Regeln in Frage zu stellen.
Es gibt massenhaft Gesetze, die vollkommen Blödsinnig sind. Es gibt auch massenhaft Regeln, die keinerlei Sinn machen.

Beispiel: An meiner ehemaligen Berufsschule war das rauchen auf dem Schulhof vor der Schule verboten. An dem Schulhof entlang führte aber ohne Abgrenzung ein öffentlicher Weg, zu erkennen nur an einer anderen Pflasterung. Ergo: Die Raucher durften auf dem öffentlichen Weg stehen aber nicht auf dem Schulhof. Standen sie auf dem Schulhof, auch wenn es eine Schrittlänge vom öffentlichen Weg entfernt war, wurden sie auf den Weg gescheucht.
Sowas ist absolut sinnfrei.

Ebenso, dass man dort in der Pause nicht in einen Gang hineingehen durfte. Man musste den Gang verlassen, zumindest bis zu einer bestimmten Linie auf dem Boden. Auf halben Wege. Ab dort durfte man sich aufhalten. Standest du einen Meter weiter, wurdest du halt einen Meter nach vorne gescheucht.

Oh und man kann Lehrer wunderbar ärgern, wenn man fragt „Warum?“
Die wussten das nämlich auch nicht. Natürlich wussten sie das nicht, denn es war ja vollkommen sinnlos.
Und nun ja. Ich lasse mich so ungern mit einem „Weil das so ist!“ abspeisen.
Klar, das ganze ist ungehorsam im kleinen. Und auf einer Ebene, wo man darüber streiten kann, ob man diskutieren muss oder die sinnlose Regel einfach diskutiert.
Andererseits: Wozu sind solche Regeln da? Wenn sie keinerlei Sinn machen? Genau. Um zu zeigen wer der Stärkere ist. Und akzeptiere ich sowas? Nein.

Es gibt selbstverständlich Regeln die sinnvoll sind. Sinnvoll um das Zusammenleben zu vereinfachen. Sinnvoll, weil sie aus dem Respekt vor anderen Menschen entstanden sind und aus dem Gedanken heraus sich gegenseitig keinen Schaden zufügen zu wollen. Verkehrsregeln sind so ein Beispiel. Rechts vor Links ist total sinnvoll. Und es ist auch total sinnvoll an einer roten Ampel anzuhalten.
Auch für Kinder sind manche Regeln sinnvoll. Damit sie lernen Rücksicht zu nehmen und verstehen, dass nur mit gewissen Regeln Zusammenleben funktioniert.

Aber ich finde es übrigens auch nicht gut Kinder mit sinnlosen Verboten erziehen zu wollen.
Dass ich Regeln schon immer in Frage gestellt habe, daran erinnert mich etwas auch meiner Kindergartenzeit. Damals war es Kindern UNTER 5 verboten mit Buntstiften zu malen. Sie durften nur Wachsmalstifte benutzen. Kinder ÜBER 5 durften mit Buntstiften malen. Völlig sinnlos. Ich weiß, dass ich mich bitterlich bei meiner Mutter darüber beschwert habe und mich dann natürlich trotzdem fügen musste. Was will man auch machen als vierjähriger Knirps?
Ach ja! Fragen. Warum?
Das habe ich gemacht.

Fragt euch öfter mal WARUM Dinge sind wie sie sind.
„WARUM?“ Ist eine der interessantesten Fragen, die man stellen kann und oft gibt es keine Antwort.

Leider sind Regeln eben oft an ein Abhängigkeitsverhältnis geknüpft. In der Schule, auf der Arbeit… Man muss sich an sie halten, obwohl es keinen Sinn macht. Einfach weil man es muss um keine Probleme zu bekommen.

Der Staat regelt ebenfalls alles mögliche. Mord ist verboten, Glühbirnen auch. Das eine macht Sinn, das andere… nicht so sehr.

Deshalb ist es wichtig auch den Staat zu fragen: Warum?

In diesen Tagen übrigens mehr denn je. Warum möchte die Regierung Edward Snowden kein Asyl gewähren?  Warum lässt sie es zu, dass jeder Bürger überwacht wird? Warum dürfen Rechtsextreme Fackelmärsche zum Protext gegen Flüchtlingsheime machen?  Warum müssen sich 15 jährige Alg II Empfänger rechtfertigen, wenn sie weiter zur Schule gehen wollen?

Warum ist das so?

Finde dich nicht mit den Dingen ab, die du nicht verstehst. Frag doch einfach mal: „Warum?“
Welche Frage würdest du stellen?

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Eine Antwort zu Warum? Über Ungehorsam.

  1. NullPlusEins schreibt:

    Huii:-) „Warum“ ist ein starkes argumentative Mittel! – Aber man kann es mit sinnfreien / erfundenen Fakten erschlagen. Hier ein paar Beispiele:
    – Warum kein Asyl? – „Weil er nach der Einschätzung der aktuellen Sicherheitslage nicht sicher wäre!“
    – Warum überwacht? – „Weil es sich eh nicht verhindern lässt, will sie selbst die Überwachung wenigstens für was Gutes nutzen!“
    – Warum Fakelmärsche? – „Weil unser Gesetz es nicht zulässt, sie zu verbieten!“
    – Warum rechtfertigen? – „Wer eine Leistung vom Staat bezieht muss sich grundsätzlich dafür rechtfertigen“

    Dafür braucht man dann das zweite Mittel. Die Frage: „Woher weisst du das?“ bzw. „Woher weisst du, dass dies so ist?“

    Ansonsten kann ich dir nur voll und ganz zustimmen. In Kurzfrom: Ungehorsam ist der unangenehme Weg. Der muss auch geübt werden. Chellenge power everyday! Am besten nicht alleine. Die meisten Verbote wirken nur im Kopf. Vorauseilender Gehorsam ist eine der größten Gefahren für einen Rechtsstaat.

    liebe grüssle
    0+1

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