„Irgendwann muss es doch auch mal gut sein.“

„Irgendwann muss es doch auch mal gut sein und die deutsche Geschichte ruhen gelassen werden. Ja das war schlimm damals. Aber das hat doch heute keine Bedeutung mehr. Ich habe keine Lust mich deswegen einzuschränken und mir die Schuld für etwas aufzuladen, das ich nicht getan habe. Ich will davon nichts wissen.“

Sowas hört man ja öfter mal, wenn man sich gegen Rechtsextremismus engagiert und dabei auch mal Mitmenschen ihre eigenen Vorurteile vor Augen führt.

Vergessen will man was war. In Deutschland. Der Völkermord, die Schrecken, das kollektive Wegsehen und nur zu oft die Beihilfe. Und daraus keine Konsequenzen mehr ziehen müssen.

Ich bin auch nicht Schuld. Als ich geboren wurde war der Krieg seit 40 Jahren vorbei. Meine Eltern sind nicht Schuld. Als sie geboren wurden war der Krieg 15 Jahre vorbei. Nicht mal meine Großeltern sind Schuld. Als der Krieg vorbei war, waren sie Kinder, maximal 13 Jahre.

Nein, Schuld haben wir keine. Aber Verantwortung.

Verantwortung, dass es nicht noch einmal zu einem Massenmord an einzelnen Bevölkerungsgruppen kommt. Nicht noch einmal Menschen zu „Untermenschen“ deklassiert werden.

Ja, in Deutschland mag ein solches Szenario noch weit weg sein. Aber wir haben auch die Verantwortung nicht zu schweigen oder, schlimmer, mitzumachen, wenn in Deutschland Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder ihres Aussehens diskriminiert werden.

Und niemand kann mir erzählen, dass sowas nicht passiert. Derjenige müsste schon sehr blind sein.

„Ach was kümmert es dich, du wirst doch nicht diskriminiert? Warum rennst du dann auf Demos?“

Nee, ich werd nicht diskriminiert. Stimmt. Weil ich das zweifelhafte „Glück“ habe den „richtigen“ Pass, die „richtigen“ Vorfahren und die „richtige“ Hautfarbe zu haben. Ich muss mir keine miesen Sprüche anhören, und keine schiefen Blicke.

Aber ich bin doch nicht so verdammt egozentrisch es dabei zu belassen.

Es gibt Freunde, die wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, oder wegen ihrer Religion, oder weil sie eine Behinderung haben.

Reicht das nicht als Argument nicht zu schweigen?

Und genau das gleiche passiert jeden Tag Menschen, die ich nicht kenne. Aber heißt das, nur weil ich sie nicht kenne habe ich nichts damit zu tun?

Ich bin nicht schuld an dem ‚damals‘. Aber ich mache mich schuldig, wenn ich heute zusehe, wie Menschen angefeindet werden und nichts dagegen tue.

Sowas nennt man Verantwortung und Solidarität.

„Ach geh mir doch weg mit diesem Gutmenschentum“

Ich bin mir nicht sicher, wann es dazu gekommen ist, dass jemand, der solidarisch ist geschimpft wird. Und dann noch mit einem Wort, das eigentlich Positives ausdrückt. Seid mir nicht böse, liebe Spötter. Ich bin lieber ein Gutmensch als ein Schlechtmensch.

Wenn ich damit an euren Vorurteilen kratze: Das tut mir nicht im mindesten leid.

Denn: Für Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz gibt es keine Entschuldigung.

Und nein. Es wird nie mal gut sein. Nie.

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2 Antworten zu „Irgendwann muss es doch auch mal gut sein.“

  1. mohs8421 schreibt:

    Das Wort „Gutmensch“ wurde zumindest auch von den Nazis benutzt: http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch also liegst du garnicht mal so weit weg damit, dich gegen diese verwendung als Beleidigung zu wehren.

  2. Pingback: Webfundstücke 0005 | Techsuppe

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