Veranstaltung: Extrem-rechte Ansichten in der Bevölkerung

Montag, 18.11. war ich bei einer Veranstaltung über in der Gesellschaft vorhandenes rechtsextremes Gedankengut.

Diese fand im Rahel-Varnhagen Kolleg in Hagen statt, und Grundlage war eine Umfrage, die an der Schule durchgeführt wurde. Dort gehen Menschen zur Schule, die ihr Abi oder andere Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg absolvieren, die Alterstruktur ist dort also durchmischt.

Durchgeführt wurde die Umfrage von einem Kurs der Schule, unterstützt von einem Dozenten der Uni Dortmund.

Es wurden 18 Thesen abgefragt. Gefragt wurde u.A. nach klar nationalsozialistischen Thesen, sozialdarwinistischen Thesen und patriotischen Thesen, die mit „stimme voll und ganz zu“, „stimme überwiegend zu“, „stimme teils zu und teils nicht“, „lehne überwiegend ab“ und „lehne völlig ab“ beantwortet werden konnten.

Gefragt wurden insgesamt 246 Schüler, gefragt wurde außerdem nach Geschlecht und Religionszugehörigkeit.

Bei den Fragen sieht man bei den allermeisten Fragen, dass zwar die Mehrheit die Thesen ablehnt, aber auch je nach Frage 10-30% der Befragten voll oder überwiegend zustimmten.

4 Beispiele:

Frage 2: „Ohne die Judenverfolgung würde man Hitler heute als großen Staatsmann sehen.“

Lehne völlig ab: 123 (50%)
Lehne überwiegend ab: 34 (13,82%)
Stimme teils zu und teils nicht: 36 (14,63%)
Stimme überwiegend zu: 26 (10,57%)
Stimme voll und ganz zu: 17 (6,91%)
Ohne Antwort: 5 (4,07%)

Frage 8: „Wir sollten endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben.“

Lehne völlig ab: 52 (21,14%)
Lehne überwiegend ab: 30 (12,20%)
Stimme teils zu und teils nicht: 73 (29,67%)
Stimme überwiegend zu: 34 (13,82%)
Stimme voll und ganz zu: 42 (17,07%)
Ohne Antwort: 15 (6,10%)

Frage 15: „Es gibt wertvolles und unwertvolles Leben.“

Lehne völlig ab: 160 (65,04%)
Lehne überwiegend ab: 28 (11,38%)
Stimme teils zu und teils nicht: 23 (9,35%)
Stimme überwiegend zu: 10 (4,07%)
Stimme voll und ganz zu: 17 (6,91%)
Ohne Antwort: 8 (3,25%)

Frage 17: „Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns.“

Lehne völlig ab: 158 (64,23%)
Lehne überwiegend ab: 29 (11,79%)
Stimme teils zu und teils nicht: 23 (9,35%)
Stimme überwiegend zu: 8 (3,25%)
Stimme voll und ganz zu: 18 (7,32%)

Ohne Antwort:10 (4,07%)

Klar, diese Fragen sind plakativ. Aber genau darum geht es. Welche plaktiven Thesen, von denen ich eigentlich gedacht hätte, dass sie alle komplett abgelehnt werden, finden dennoch Zustimmung?

Der Mann von der Uni Dortmund, der die Schüler bei der Durchführung unterstützte, stellte bei der Veranstaltung und der Vorstellung der Ergebnisse heraus, dass diese Umfrage zwar nicht representativ ist, die Ergebnisse aber nicht sehr von gleichen Umfragen abweichen, die aber representativ durchgeführt wurden. Die Ergebnisse seien eher etwas positiver, also die Ablehnung der Thesen größer. Dies mag daran liegen, dass der Schulleiter des Rahel-Varnhagen Kollegs stark gegen Rechtsextremismus einsetzt.

Bleibt festzustellen: In der Bevölkerung gibt es offenbar einen Prozentsatz von 10% oder höher, der radikal-rechten Positionen voll oder überwiegend zustimmt, was mich doch ziemlich erschüttert. Ich nehme mal an, dass die Zustimmung bei populistischen Thesen, wie sie die AfD verbreitet noch größer sein würde.

Bei der Veranstaltung kamen dazu noch ein Sozialarbeiter, der aus als Mitarbeiter im  Innenministeriums tätig ist zu Wort sowie ein Mensch, der als ganz junger Teenie in die radikale rechte Szene gelangte und dann vor mittlerweile mehr als 20 Jahren als junger Mann den Absprung durch einen Aufenthalt in Haft den Absprung schaffte. Gefragt und diskutiert wurde hier unteranderen die Verbindung rechter Gruppen mit der Fußball Kultur (Gibt es), den Finanziers rechter Gruppen (Oftmals mittelständige Unternehmen und Handwerksbetriebe) und wie man in eine solche Szene abrutscht (Zusammengehörigkeitsgefühl).

Allerdings wurde auch die Frage gestellt, wie es auch eigentlich passive Bürger dazu kommen zu handeln (Stichwort Schneeberg) und wieso in Städten wie Duisburg, wo es ‚Probleme‘ mit ‚fremden‘ Bevölkerungsgruppen sind, plötzlich extrem rechte Thesen viel mehr Zustimmung finden als im Durchschnitt. Hier wurde unteranderem darauf hingewiesen, dass dies oft mit schlechter Information der Bürger und mit von Medien angeheizten Vorurteilen einher geht.

Insgesamt eine sehr interessante Veranstaltung, leider nicht so tiefgehend, wie ich mir gewünscht hätte, weil nicht so viel Zeit angesetzt war und der Raum sehr voll war.

Dennoch: Die Ergebnisse der Umfrage sind relativ beunruhigend und machen nachdenklich was bitte falsch läuft…

Danke nochmal an meine Brüder, die mich mitgeschleppt und mir die Ergebnisse zur Verfügung gestellt haben.

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