Wir müssen reden!

Letztes Wochenende war ich beim AktivCongrez von digitalcourage in Hattingen.

Es haben sich dort netzpolitische Aktivisten von vielen verschiedenen Organisationen und wir haben über die aktuellen Entwicklungen gesprochen und Aktionen ersonnen und geplant. Außerdem hatte das ganze natürlich den Zweck Menschen zu vernetzen.

Das war ziemlich gut, ich habe sehr viel Input bekommen. Aber eines ist mir klar geworden. Netzpolitik ist wichtig, aber es gibt auch sehr hohe Hürden um den Einstieg zu finden. Eine Hürde ist sicherlich, wenn man keinen Berufshintergrund hat, der im IT Bereich liegt. Ich zum Beispiel bin Kauffrau, kein Informatiker. Mein Internet kommt durch eine Leitung in meinen Router und von da aus in meinen PC. Und ja, auf diesem Wege passieren ihm einige unschöne Dinge, es wird gefiltert, durchsucht, gedrosselt… aber fragt mich doch bitte nicht, wie das technisch funktioniert!

Ja, man kann mir vielleicht erzählen, dass ein Programm eine ‚Backdoor im Code‘ hat, mit dem Daten abgezapft werden. Das klingt total spannend, aber um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung wie genau sowas funktioniert. Meine höchste programmiererische Leistung ist ein bisschen HTML. Und das ist vermutlich mehr als die meisten Menschen. Bildlich gesprochen: Ich bin nicht der Architekt des Internets und auch nicht der Elektriker, der die Leitungen zieht. Da ich manchmal Content in diesem Internet erzeuge bin ich eher der Innenausstatter.

Der größte Anteil aller Leute, die im Internet unterwegs sind, sind aber nur die Leute, die darin wohnen, die sich keine Gedanken darüber machen, was in den Wänden steckt und wie die Statik funktioniert. Deshalb wissen sie auch nicht, dass dieses Haus droht zusammenzubrechen, dass in den Wänden Wanzen versteckt sind, dass in den Möbeln Überwachungskameras eingebaut sind, und so weiter.

Und dann schließlich gibt es die Menschen, meine Mutter z.B. ist so ein Mensch, die vor diesem Internethaus stehen und von außen allenfalls durchs Fenster hinein sehen. meine Mom surft nicht im Internet, hat es noch nie benutzt.

Netzpolitik kann nur funktionieren, wenn wir den Menschen, die das Internet nur nutzen oder die es sogar gar nicht nutzen, erklären wie Überwachung funktioniert. Was Überwachung für sie bedeutet. Und das in einer Sprache, die sie verstehen.

Ich stamme aus einer Familie, die keine Bildungsbürger sind. Ich kann meinen Eltern nicht mit Fachbegriffen kommen. Also möchte ich Politik und grade Netzpolitik genau so erklären, dass sie verstehen. Das funktioniert über Sprache.

Ich sehe das Problem, dass wir uns manchmal schlecht auf diese Ebene begeben können, dass wir zu verkopft sind und Dinge nicht anschaulich erklären können. Ich wünsche mir, dass wir das ändern.

Sprache ist eine starke Waffe, aber sie wirkt nur, wenn alle sie verstehen. Auch Nicht-Akademiker. Auch Menschen, die sich noch nie mit den technischen Funktionsweisen des Internets auseinander gesetzt haben. Die keine Ahnung haben, was Spyware ist oder eine Backdoor oder Netzneutralität oder Vorratsdatenspeicherung.

Das Problem ist nämlich nicht mangelnde Bildung, sondern dass man Menschen da abholen muss, wo sie stehen. Von oben predigen und hoffen, dass irgendjemand was versteht, das funktioniert nicht.

Ich bin sicher das Ganze funktioniert. Auch ohne Populismus.

Ich würde das gerne versuchen, macht ihr mit?

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Eine Antwort zu Wir müssen reden!

  1. Leakadealer schreibt:

    Na klar, ich bin dabei.

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