Ein Brief in die Vergangenheit

Liebes 15 jähriges Vergangenheits-Ich,

 

ich schreibe dir aus der Zukunft. Bei mir ist grade 2014, bei dir ungefähr das Jahr 2000.

Ich weiß, bei dir ist das Leben grade nicht so cool. Letztes Schuljahr bist du hängen geblieben, Latein war einfach Mist. Nachdem du in deiner alten Klasse keinen wirklichen Anschluss gefunden hattest, hast du gehofft in der Neuen Freunde zu finden und dazu zugehören. Leider musstest du feststellen, dass das nicht funktioniert hat.

Jetzt sitzt du in einer Klasse, in der es sogar noch schlimmer ist. Du sitzt allein am Fenster und Leute bewerfen dich mit Müll um dann zu behaupten du hättest den Klassenraum verschmutzt und du kriegst noch Ärger vom Lehrer. Und als Winter war, da haben deine Mitschüler darauf bestanden, dass das Fenster an dem du sitzt, offen bleibt, weil sie dachten, dass du dich dann bestimmt erkältest. Und manchmal flüstern sie dir über Stunden Beleidigungen zu, so dass du irgendwann völlig runter mit den Nerven bist und sie anschreist, dass sie es lassen sollen… wofür du dann wieder Ärger bekommst.

Du wünscht dir nichts mehr als einfach ’normal‘ zu sein. Angepasst wie die anderen. Aber es gelingt dir einfach nicht. Du schaffst es nicht durchzublicken welche Mode grade cool ist, welche Serien man gesehen haben muss um mitreden zu können. Oft verstehst du nicht mal warum sich die anderen Teenies für solche trivialen Dinge interessieren.

Stattdessen verkriechst du dich nach der Schule in deine Bücher oder spielst stundenlang Computerspiele oder surfst im Internet. All das ist jedenfalls besser als daran zu denken, was dich morgen wieder erwartet.

Und du fragst dich, was wohl aus dir werden wird. Ob du jemals Freunde haben wirst oder Erfolg.

Liebes Vergangenheits-Ich, ich würde dir gerne erzählen was ich heute mache. Um dir die Angst vor der Zukunft zu nehmen.

Die Zeit, die vor dir liegt wird nicht einfach sein. Du wirst ein Studium anfangen und es wieder abbrechen, weil die Kohle nicht reicht. Du wirst lange nach einem Ausbildungsplatz suchen und sogar noch ein Jahr zu Schule gehen.

Aber du wirst eine Ausbildung finden und sie mit ’sehr gut‘ abschließen!

Du wirst einige Jahre in christlichen Gemeinden unterwegs sein und auch dort wieder weggehen, weil viele Dinge dort auch nicht gut sind.

In all der Zeit wird dein politisches Interesse für das du in deiner Zeit ausgelacht wirst, nicht versiegen. Und irgendwann wirst du diese Piratenpartei finden, in der Leute Politik machen, die ein wenig sind wie du.

Ich bin letztes Wochenende zur stellvertretenden Vorsitzenden der Piratenpartei NRW gewählt worden. Du siehst also: Es ist nicht blöd sich für Politik zu interessieren, auch wenn die meisten Leute das nicht tun.

Im Gegenteil: Du wirst mit diesem Interesse Dinge erreichen, die sich total bedeutend anhören! Zugegeben, das ganze bedeutet eigentlich, dass man furchtbar viel zu tun hat und seine Freizeit opfert.

Aber Menschen werden dir ihr Vertrauen schenken, sie zu vertreten! Weißt du, das ist ein gutes Gefühl! Du wirst also nicht mehr der Verlierer sein, für den du dich vielleicht hältst. Du wirst viele interessante Menschen treffen und viele Dinge lernen.

Du wirst das Gefühl kennen lernen mit dir selbst zufrieden zu sein.

Ich weiß, dass dein Leben grade alles andere als schön ist. Aber du wirst durchhalten und dann sehr stolz auf dich sein können. Ich wünschte ich könnte dir das wirklich sagen.

 

Liebe Grüße,

deine Gegenwarts-Maja

PS: Ja, auch die blöden Biene Maja Witze werden irgendwann aufhören.

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3 Antworten zu Ein Brief in die Vergangenheit

  1. Stefanie schreibt:

    Oh, das ist eine tolle Idee! Hat mich gerade sehr gerührt! Hab den Text über den Link von Mandys Blog gefunden. Ich freue mich für dich, dass dein Leben so eine gute Wendung genommen hat! Du kannst stolz auf dich sein 🙂

  2. @badtinking schreibt:

    Huhu @fraumaja

    die Beschreibung deiner Schulzeit erinnert mich stark an meine. Nur das meine schlimme Zeit gerade mal 3-4 Jahre her ist. An der Oberstufe habe ich dann dieses Jahr sogar mein Abi geschafft – trotz mobbing. Danach lief mein Leben super, am 1.8 fing meine Wunsch-Ausbildung an und kurz darauf feierte ich 6 Monatiges mit meiner Freundin. Bis gestern. Sie machte schluss. Binnen Minuten waren all die Erinnerungen von damals wieder da….auch mich beschmissen sie Müll und ich bekam den ärger. Auch das laut werden kenne ich nur zu gut. Ich bin am Boden zerstört und weiß nicht weiter. Damals half mir die Piratenpartei, schon mit 15 war ich dabei und zum 16. bin ich eingetreten, genau wie bei dir: Die Leute waren mir ein bisschen ähnlich. Nun suche ich einen neuen Rettungsschirm, einen neuen Grashalm an den ich mich klammern kann um auch diese Kriese zu meistern. Dein Brief ist der Anfang, er macht mir grade sehr viel mut! Danke dafür, von ganzem Herzen(oder das was davon noch übrig ist)
    Liebe Grüße vom Deich.

  3. Cosmic Convention schreibt:

    Sehr ergreifend, mir fehlen spontan Worte. 3D und – ich befürchte – nicht so selten wie man denken sollte.

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