Wahlergebnisse, Gedanken und gesellschaftliche Visionen

Ja es macht ein wenig ratlos, dass die rechtspopulistische AfD mit großem Erfolg in drei Landtage eingezogen ist. Wer kann ernsthaft der Meinung sein, eine Partei, die das mit der Elitenförderung im Gegensatz zu ‚Die Partei‘ ernsthaft umsetzen will, würde sich gegen ‚die da oben‘ einsetzen? Aber ich will auch gar nicht darüber schimpfen, wie fürchterlich die Ideologie der AfD ist. Fragt sich eher: Warum wird sie gewählt? Warum wünschen sich Menschen die Erhaltung von irgendwelchen diffusen Werten? Wieso kommen derart konservative Werte wieder an?

Letztendlich scheint es mir eine Entwicklung zu sein, die die letzten Regierungen mit verschuldet haben. Menschen haben nicht mehr das Gefühl von sozialer Sicherheit. Es wird immer suggeriert der Staat stünde am Rande einer großen Krise, es wird damit Überwachung und Co gerechtfertigt. Darüber hinaus klafft die soziale Schere immer weiter auseinander, gefördert vom Staat.

Besonders hart kommt es für die Leute, die ihren Job verlieren. Selbst in unserer hochtechnisierten Gesellschaft, in der Vollbeschäftigung eine Illusion ist, werden Menschen letztendlich dafür bestraft wenn sie keine Arbeit finden. Eine Vorgehensweise, die eigentlich völlig gegen jegliche Realitäten läuft. Und trotzdem wird jemandem, der ALG2 bezieht, jegliche Grundlage und Möglichkeit zur Lebensplanung genommen. Wer sämtliche Verhältnisse offen legen, Ersparnisse abgeben und Lebensstandard aufgeben muss, der fühlt sich ausgeliefert und das zurecht!

Die Reaktion sind allzu oft einerseits die Suche nach dem Schuldigen, der für die eigene Lage verantwortlich ist und der Wunsch nach einem Status in dem alles besser ist.

Leider ist der Leistungsbegriff, im speziellen der Arbeitsbegriff, immer noch eng mit der Wertigkeit eines Menschen verbunden. Wer keiner bezahlten Arbeit nachgeht, ist ein Versager. Ergo ist auch der Kampf um die Arbeitsplätze, die es schon lange nicht mehr in ausreichender Zahl gibt, ein Kampf darum, wer der Stärkere ist.

Da kommen Erklärungen, warum man diesen Kampf verliert, recht. Eine davon ist eine benachteiligende Ausgangsposition, beispielsweise die Mär, dass Menschen, die in unser Land kämen, bevorzugt werden. Oder auch, dass durch die Öffnung nach Europa und den Euro alles schlimmer geworden sei. Ja, da ziehen dann auch solche Slogans wie ‚Einwanderung braucht klare Regeln‘ oder ‚Der Euro ruiniert Europa‘. Das dies alles nicht so stimmt – zweitrangig. Solange selbst Mitglieder der Regierung von Wirtschaftsflüchtlingen reden und derartige Ressentiments befeuern, wird sich nichts ändern.

Und solange werden sich auch Menschen nach der trügerischen Sicherheit eines überholten Wertesystems sehnen. Wer keine Sicherheit in dem derzeitigen politischen System findet, weil sie schlicht vom Staat entzogen wird, wird sich dem zuwenden, der sie verspricht. Auch wenn dieser jemand populistische Parolen verwendet.

Die Lösung wäre ein gesellschaftliches Umdenken, eine Transformation des Arbeitsbegriffes von der reinen bezahlten Arbeitskraft hin zu der Leistung eines Menschen insgesamt. Soll heißen: Nicht nur die bezahlte Arbeit sollte als Leistung anerkannt werden, sondern auch, wenn jemand Kinder erzieht, wenn jemand seine Angehörigen pflegt, wenn sich jemand ehrenamtlich engagiert. Dies ist weder in der Gesellschaft der Fall, noch wird es bislang irgendwie vom Staat gefördert, dass sich das jemals ändert. Ich nehme da immer meine Mutter als Beispiel, die vier Kinder großgezogen hat, aber am Ende ihres Lebens von der Rentenkasse so behandelt werden wird, als hätte sie 15 Jahre nicht gearbeitet und der demnach Altersarmut droht.

Wir Piraten haben da die Vorstellung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Ein Modell, was ich großartig finde, weil es so visionär ist. Es setzt allerdings voraus, dass sich einige Dinge grundsätzlich ändern und umgedacht werden, Strukturen und Menschenbilder umgebaut werden. Das wird dauern, und ist nicht von heute auf Morgen zu schaffen. Aber ich persönlich mag darauf hinarbeiten.

Dies sind jetzt nur einige Gedanken, die ich mir gemacht habe. Ich könnte jetzt noch darüber auslassen wie das zu geschehen hat… aber das wäre einen weiteren Blogpost wert.

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6 Antworten zu Wahlergebnisse, Gedanken und gesellschaftliche Visionen

  1. Harald schreibt:

    Sehr kluger Kommentar. (Wunsch, diese Besonnenheit in denen der staatstragenden Medien eines Tages wiederzufinden. Wird wohl nicht erfüllt werden.)

    Besonders lobenswert die Wende über den neuerdings immer stärker auf Erwerbsarbeit verengten Arbeitsbegriff, über den schon Marx hinausging, für den die Erwerbsarbeit das „Reich der Notwendigkeit“ war, das es zugunsten des „Reichs der Freiheit“ zu verkeinern galt. (Hier und heute: Falsche Gleichsetzung von „Erwerb“ und „Arbeit.)

    Wie du schreibst: die Lösung liegt im Bedingungslosen Grundeinkommen, das seine spezifischen Einführungsprobleme hat. (Auch hier: der Weg muß über eine Veränderung des Bewußtseins führen.)

    Alles in allem sehr lesenswert.

    Danke und Gruß
    Harald

  2. warenwahn schreibt:

    Sehr schöner Artikel!

    Ich habe mir vor kurzem mal Gedanken darüber gedacht, wie man für die Gesellschaft nützliches ehrenamtliches Engagement mit einem „Ehrenamtsgeld“ belohnen könnte. Das wäre ein Baustein eines Grundeinkommens, das dann natürlich nicht mehr ganz „bedingungslos“ wäre.

    http://www.niklas-deutschmann.de/2014/09/11/das-ehrenamtsgeld/

    • stefanolix schreibt:

      Ich finde es interessant, dass mal jemand mit dem Nachdenken über die Gegenleistung für das Grundeinkommen beginnt. Guter Ansatz. Bleibt nur die Frage, wie man so ein »Ehrenamt« fair bewertet – einen Nutzen sollte es ja schließlich für die Gesellschaft haben.

  3. Pingback: Wahlergebnisse, Gedanken und gesellschaftliche Visionen / Gastbeitrag von Frau Maja | Kompass – Zeitung für Piraten

  4. Bugspriet schreibt:

    Schön formuliert. Ob das letztendlich durch das BGE gelöst wird, oder schon durch Zwischenschritte verbessert wird, bleibt dahin. Aber Respekt vor der Arbeit (aller auch der ehrenamtlichen oder der nicht bzw. schlecht bezahlten) und vor dem, was wir haben (angefangen bei sauberem Wasser aus dem Kran, der täglich zugestellten Post), muss auch durch die Politik geleistet werden, weil dem gemeinen Menschen sonst die Macht genommen wird, diesen zu zeigen.

  5. Bernhard Fromm schreibt:

    Das Grundeinkommen ist natürlich eine einfach sehr gute Lösung. Vor wenigen Jahren gaben uns über 30% unserer Wähler die Stimme gerade wegen unserer sozialen Ausrichtung. Das müssen wir viel besser klarmachen.

    Zur AfD: die ist bereits jenseits des rechtspopulistischen angekommen; wer selbst mit der Ariernachweis-Radzek in Bonn kooperiert, der befindet sich im völkisch-nationalen Spektrum einer Führerpartei; die Unterschiede zur NPD sind nur noch formelle und vorgeschobene. Historisch gesehen erfüllt die AfD wundervoll die Steigbügelhalterfunktion der DNVP, sie macht rechtsradikales Gedankengut für eine breite Masse wählbar. Das Menschenbild der AfD ist inhuman.

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