Quotenfrau

Ich bin stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei Nordrhein-Westfalen.
In unserem Landesvorstand gibt es 9 Menschen und davon sind 8 Männer. Und ich bin die einzige Frau.

Bin ich eine Quotenfrau?
Nö.

Ich bin froh, dass wir in der Partei keine Frauenquote haben. Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich das Gefühl hätte gewählt worden zu sein, weil ich eine Frau bin. Immerhin hat mein Geschlecht rein gar nichts mit meiner Leistung oder meiner Qualifikation zu tun.

Ich will übrigens nicht behaupten, dass es innerhalb der Partei keinen Sexismus gäbe. Da sind wir ein Abbild der Gesellschaft. Ich hab auch schon erlebt, dass ich mit männlichen LaVo Kollegen unterwegs war und dann andere Männer nur mit den männlichen Kollegen geredet haben und mich ignorierten. Ja kann man halt machen, ist dann aber scheiße. Aber solche Leute erlebe ich halt wirklich nicht für die Regel und die allermeisten Männer treten mir mit dem gleichen Respekt entgegen wie sie es allen anderen Männern tun.
Im Gegenteil: Innerhalb der Piratenpartei habe erlebe ich von Männern weit weniger Diskriminierung, Vorurteile, doofe Rollenbilder, etc. als außerhalb. Und wenn mir jemand wirklich mal doof kommt muss er mit dem Echo leben.

Ja klar, ich bin die einzige Frau im Landesvorstand. Und ich kenne total viele Frauen, die sich total unterschätzen und sich nicht zutrauen in einem LaVo ein Amt zu übernehmen. Ich denke, es ist schon so, dass sich Frauen oft viel mehr hinterfragen und in Frage stellen. Aber das ist dann wohl eher eine Frage der Gesellschaft und Erziehung, die man auch nicht mit einer Quote nicht ändert.

Und da bin ich bei dem Blick nach außen.

Ernsthaft: Wer behauptet Frauen würden nicht diskriminiert, der ist ignorant. Natürlich werden Frauen diskriminiert.
Es wird immer noch selbstverständlich davon ausgegangen, dass das traditionelle Rollenbild von ‚Mann arbeitet und Frau erzieht die Kinder‘ das Optimum ist.
Dementsprechend wir natürlich eine Frau noch beim Vorstellungsgespräch gefragt, ob sie Kinder kriegen will und ein Mann nicht. Denn es wird davon ausgegangen, dass die Frau dann erstmal im Beruf ausfällt um die Kinder zu erziehen und nicht der Mann.
Und es gibt sehr wenige Unternehmen, die sich davon lösen und auch alternative Modelle probieren, beispielsweise Betriebskindergärten und ähnliches, die es Eltern möglich machen Beruf und Kindererziehung zu verbinden.

Und ja, es gibt die gläserne Decke für Frauen. Wären sie in Aufsichtsräten und Chefetagen sonst so spärlich vertreten?
Daran liegen, dass es nur wenige geeignete Frauen gibt, kann es jedenfalls nicht. Frauen sind heute genauso gut ausgebildet wie Männer.

Das Ganze ist nun mal eine gesellschaftliche Realität, die man nicht wegdiskutieren kann.
Es gibt jede Menge kranker Rollenbilder für das Verhältnis zwischen Mann und Frau, die sich eben über Jahrzehnte und Jahrhunderte so bewährt haben, dass sie auch heute noch kaum hinterfragt werden.

Ist die neue Frauenquote der Regierung jetzt die Lösung?

Ich bin vorsichtig damit geworden Quoten und Regelungen, die die Gleichberechtigung fördern sollen, gänzlich und kategorisch abzulehnen. Ich finde es gut, wenn Lösungen gesucht werden, mit denen man Geschlechtergerechtigkeit voranbringen will.
Allerdings ist die von der Regierung angedachte Quote ein einziger Witz.
Sie wird wenn es hoch kommt 200 Frauen etwas nützen und das wars. Alle anderen sind immer noch benachteiligt.

Und von einer Quote, und deshalb finde ich Quoten alles andere als ideal, ändern sich Rollenbilder nicht.
Das beste Beispiel hat doch die Diskussion der Regierung um die Quote selber. Wenn Herr Kauder Frau Schwesig Weinerlichkeit bescheinigt, und sie so zum doofen, gefühlsduseligen Weibchen degradiert. Dies sagt viel mehr darüber aus, welchen Vorurteilen und Rollenbildern Frauen heute immer noch ausgesetzt sind.

Und hier sollte man mal ansetzen.
Ja, man ändert Rollenbilder nicht einfach per Dekret. Und nein, das wird nicht über Nacht funktionieren.
Aber man kann daran arbeiten. Man kann beispielsweise in der Schule darauf achten Rollenbilder im Unterrichtsmaterial nicht zu propagieren und als ’normal‘ hinzunehmen. Will sagen: Man könnte in Aufgabenbeschreibungen andere Familienmodelle hernehmen als den arbeitenden, erfolgreichen Mann und die treusorgende Hausfrau. Solche Dinge tragen dazu bei Rollenbilder aufzubrechen.

Eine Quote allein nützt da rein gar nichts.
Ob eine Quote grundsätzlich schlecht ist, ist eine andere Frage. Ich halte Quoten, was das Geschlechterbild, angeht nicht für zeitgemäß. Die Welt ist nun mal nicht binär. Es gibt nicht nur ‚Mann‘ und ‚Frau‘. Und eine Quote für Frauen, Männer und Eichhörnchen ist meiner Meinung nach ebenso wenig sinnig.

Letztentlich halte ich die jetzt angedachte Quote aber auch nicht für schädlich. Sie bewirkt halt nichts, richtet deshalb aber auch keinen Schaden an. Wobei ’schad nix‘ ein ganz schlechtes Argument dafür ist, etwas zu machen.
Die angedachte Quote ist reine Kosmetik und Bürgerberuhigung. Sie ist aber nicht um des Modells willen das Böse, als dass sie bisweilen dargestellt wird, sondern um der Intention willen.
Deshalb sollte die Regierung vielleicht ehrlich sein und es ganz sein lassen und stattdessen darüber nachdenken mit welchen Mitteln Diskriminierung von Frauen wirksam bekämpft werden kann.

Dass überhaupt darauf hingearbeitet wird, Diskriminierung von Frauen zu bekämpfen, das wünsche ich mir nicht nur von unserer Regierung, das erwarte ich sogar.

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10 Antworten zu Quotenfrau

  1. Sakoelabo schreibt:

    Eine Quote kann – egal, auf welche Gruppe bezogen – meiner Meinung nach nie etwas anderes als ein Übergangsinstrument sein. Das sind wir alleine schon einer inklusiven Gesellschaft schuldig. Diesen Anspruch sollte man auch als Mensch/Gruppe/Partei, die sich für Inklusion, Gleichberechtigung und Menschenrechte im Allgemeinen einsetzt, durchgehend verfolgen. Veränderung findet gesellschaftlich nunmal nicht per Ordre de Mufti statt.

    Das bedeutet in erster Linie, dass man Positionen in erster Linie nach Kompetenz besetzt – und nicht danach, ob man noch irgend eine Vorgabe nach Geschlecht, Alter oder Behinderungen zu erfüllen hat. Ich finde z.B. „bei gleicher Eignung wird XYZ vorgezogen“ ebenfalls suboptimal, weil auch hier – in bester Absicht (wenns denn auch praktiziert wird) – letztlich eine Selektion aufgrund von Sekundärmerkmalen stattfindet. Und ob man sich jetzt so gut dabei empfindet, einen Job in erster Linie als „Quotenrollstuhlfahrer“ bekommen zu haben, steht auf einem anderen Blatt.

    Im denke nach wie vor nicht, daß wir innerhalb der Piratenpartei eine Frauenquote brauchen. Jeder, der mit offenem Auge und Ohr unterwegs ist, wird natürlich nicht verneinen können, dass auch unsere Partei vor Stereotypen, Sexismen und anderem nicht sicher ist. Alles in Allem haben aber sehr viele Wahlergebnisse auf verschiedensten Ebenen gezeigt, dass Frauen, die gut sind, auch in [Positionen] gewählt werden.
    In manchen Bereichen sind aber (leider) häufig gar nicht so viele Frauen *da*, dass man überhaupt eine Quote erfüllen *könnte*. Was macht man dann?
    Diesen Effekt sehe ich aber auch – gerade kommunal – bei anderen Parteien.

  2. nutella schreibt:

    Die Aussage „eine Quote nützt nichts“ erfordert eine Glaskugel – ich glaube nicht, dass irgendjemand in der Lage ist, in die Zukunft zu schauen. Und da es auch keine Zeitreisen gibt, kann auch niemand dieses Autoritätsargument bringen.

    So wie es da steht, ist es eine Behauptung. Ohne argumentativen Beleg. Kann man machen, ist dann aber lediglich Glauben.

    • FrauMaja schreibt:

      Ich begebe zu bedenken, dass ich geschrieben habe „Diese Quote nützt nichts“, nicht „Eine Quote nützt nichts“. Ja, das ist eine Behauptung. Aber da der aktuelle Entwurf eine so minimale Anzahl von Stellen abdeckt, bleibe ich mal dabei.
      Dass eine Quote allgemein nichts nützt habe ich bewusst nicht geschrieben, weil ich mir da tatsächlich nicht sicher bin. Auch wenn ich sie nicht für das richtige Instrument halte, kann ich mich nicht 100% dagegen aussprechen.

  3. Michael schreibt:

    Politik ist ein Handwerk und im Werkzeugkasten gibt es filigrane und grobe Werkzeuge.
    Die Frauenquote ist zugegebenermaßen ein grobes Werkzeug, aber solange es die Diskriminierung von Frauen gibt und keine besseren Vorschläge vorgebracht werden, ist sie hie und da nötig.

    Die Quote in DAX-Vorständen kommt keines wegs nur etwa 200 Frauen zu gute sondern diese 200 werden später mitentscheiden, wer unter ihnen befördert wird. Da entscheidet sich nämlich die Durchläßigkeit der gläsernen Decke.
    Es wird 10000en zu gute kommen.

    Und bitte komm mir nicht mir dem Kompetenz-Argument, also ob es weniger kompetente Frauen als Männer gäbe.
    Seltsam auch, daß die Kompetenzfrage immer nur bei Frauen gestellt wird. Wenn nur Männer gewählt werden, frägt keiner, ob die alle kompetent sind.
    Und oft wird ganz offensichtlich nicht nach Kompetenz (aus)gewählt.

    Was die anderen Geschlechter angeht, so ist es wahr, daß es deren viele gibt, aber ein sehr sehr hoher Anteil der Menschen ordnet sich selbst entweder den Männer oder den Frauen zu. Und es ist schon ziemlich perfide, 47% der Menschen die Gleichstellung zu verwehren, nur weil wir vielleicht 5% (weiß nicht wieviele genau) da nicht richtig einsortieren können (wobei auch das lösbar ist).

    Im übrigen weise ich darauf hin, daß die Quotenfrage immer in einem bestimmten Kontext zu diskutieren ist.
    Ein Quote für eine DAX-Vorstand hat andere Aspekte als eine Quote für z.B. einen Piratenvostand.

    • Sakoelabo schreibt:

      Kompetenz ist Kompetenz – und die ist weder männlich noch weiblich. Wenn es rein objektiv darum geht, einen Posten zu besetzen, ist lediglich die Eignung für den Job und die Frage, ob der/die Neue ins Team passt, ausschlaggebend.

      In meinem Berufsleben habe ich beides schon erlebt: fürs Vorzimmer wird lieber eine Frau eingestellt, obwohl die männlichen Kandidaten allesamt besser waren. Warum? Weil die Männer weniger „dekorativ“ zu sein schienen und überhaupt setzt sich ein männlicher Chef in der Regel keinen Mann ins Vorzimmer, wenn andere in seiner Branche auch lieber Frauen dort einsetzen.
      Für eine andere Stelle wurden andererseits Frauen schonmal generell aus dem Bewerbungszirkel ausgegrenzt, weil „kein Kunde einer Frau automatisch technische Kompetenz als Grundeigenschaft zuordnen würde“ – und man wolle als Unternehmen doch schließlich seriös und professionell in Erscheinung treten.

      Das Thema hat m.E. mehr mit Gesellschaft und Stereotypen zu tun, als mit Sachlichkeit. Deshalb kann Kompetenz auch nur in einem Rahmen wirken, in welchem diese als Entscheidungskriterium auch vollumfänglich greifen kann.

      Und bitte nicht wieder alles nur auf Mann und Frau reduzieren. Mit gleichem Recht könnte man nämlich auch Quoten für Migranten, Körperbehinderte oder andere Bevölkerungsgruppen einfordern.

  4. Danke für Deine ausführliche und sachliche Darlegung des Themas, bin da ganz ähnlicher Meinung. Eine Quote ist ähnlich wie eine Subvention eine Verzerrung der Gegebenheiten, sie beseitigt keine Probleme, sondern schafft eher neue.

    Strukturelle Benachteiligung un Diskriminierung kann man nicht mit starren Regelungen an einem solch späten Zeitpunkt aus der Welt schaffen.
    Hier hilft Bildung. In der Schule ist das aber auch nicht ausreichend gegeben und zudem zu spät. Hierzu gehört vermitteln von Werten aber auch entsprechende Vorbilder und das schon bei den Erziehern.

    Mir sind leider aber im Berufsleben Erzieherinnen begegnet, die Kinder ungleich behandelt haben, ob nun Mädchen und Jungs (zB bei einem Geburtstag, wo ein Mädchen, obgleich größer und kräftiger als mancher Junge selben Alters, nicht mit den Stuhl des Geburtstagskindes hochleben lassen durfte („Nur was für die starken Jungs!“), oder muslimische Kinder, indem sie ihre Feiertage nicht nur nicht im Kindergarten gefeiert haben, sondern sie lächerlich gemacht wurden (eine Erzieherin hat zB die Eltern belogen bei der Frage, ob die Würstchen aus Rind- oder Schweinefleisch seien und war dann über die Eltern hergezogen und sich beschwert, wie entnervend diese Rücksichtnahme doch sei).

    Nur zwei kleine Beispiele unter vielen und all diese kleinen Dinge, alltäglich, sorgen dafür, dass eine große Mehrheit noch immer so handelt wie ihre Eltern oder Großeltern, kaum reflektiert, höchstens pro Forma Änderungen duldend, nicht aber annehmend.

    Und wenn sich hierbei nichts ändert, tut das auch sonst nichts. Eine Quote hilft hier nicht. Neben der „positiven“ Diskriminierung, dass eine Frau nicht mehr weiß, ob sie den Job wegen ihrem Geschlecht oder ihrer Qualifikation erhalten hat (und ich als Frau möchte nicht aus sexistischen Gründen etwas erhalten haben, sondern weil meine Leistung dies rechtfertigte!) und ein Mann bei gleicher Leistung wird benachteiligt, weil er ein Mann ist.

    Das eine Unrecht rechtfertigt kein anderes neues. Dieser Ansatz ist schlecht, er funktioniert nicht und erzeugt neue Schwierigkeiten. Von kleineren Firmen, die ihren Betriebsablauf gefährdet sehen, sollten sich nicht ausreichend Frauen bewerben ganz zu Schweigen.

  5. Henry schreibt:

    Schöner Blog 🙂

    Übrigens haben Väter das selbe Problem in der Schule, Kita, Hort usw.
    Wenn die Eltern gemeinsam mit der Lehrerin sprechen, dann passiert es nicht selten, dass die Lehrerin nur mit der Mutter spricht.

  6. SD schreibt:

    Sehe das fast alles so wie du, nur bin ich nicht so sicher, ob diese Quote tatsächlich nichts bringt. Natürlich wird sie nicht die Diskriminierung in der Gesellschaft hinwegfegen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass sie dabei hilft die Männerseilschaften in der Wirtschaftselite ein wenig aufzuweichen.

    • nuunjaa schreibt:

      Eben das. Welche Qualifikationen bringen Aufsichtsräte zwingend mit anhand deren man ansatzweise objektiv die bessere Eignung fest machen kann?

      Im Grossen und Ganzen scheinen das Beziehungen zu sein. Eine Quote kann da durchaus Seilschaften wenn auch nicht verhindern, so wenigstens mindern und das sollte im Interesse aller sein 😉

  7. Imke Schüring schreibt:

    Ein guter Text, gibt viel Anlass zum Nachdenken!

    Warum ist denn die Frauenqoute die derzeit verhandelt wird nur für so wenige Frauen nützlich? Das würde mich im Detail mal interessieren.

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