Leere im Kopf, Informationsüberflutung und unerfüllte Erwartungen

Da sitz ich und denke mir, ich könnte mal wieder bloggen. Immerhin will so ein Blog ja auch befüllt werden, mit Gedanken und Meinungen, die man der Welt mitteilen möchte.
Und es gibt soviele Themen, über die man schreiben könnte, die Welt ist so kaputt.
Und dennoch ist mein Kopf leer. Ich fühle mich schwindelig, ob des ganzen Unrechts. Fühle mich übersättigt von allen Informationen, die täglich auf mich einprasseln, überfordert von den Menschen, die mir sagen wollen für welches Thema ich mich gefälligst zu interessieren habe, weil es das aller wichtigste ist. Menschen, die Ungerechtigkeiten gegen andere Ungerechtigkeiten aufrechnen.
Ich bin entsetzt über den erstarkenden Rassismus in der Gesellschaft? Irgendjemand sagt mir garantiert, dass die Überwachungsmethoden, die sich der Staat ausdenkt, schlimmer sind.
Ich empöre mich über Überwachung? Dann sagt mir sicher jemand, dass ich nicht vergessen soll, dass viele Menschen auch unter HartzIV und Armut leiden.
Ja, das ist alles schlimm. Aber will ich es gegeneinander aufrechnen? Nein, das will ich nicht. Das kann ich auch nicht. Und ich kann mich auch nicht an allem Unrecht abarbeiten. Das funktioniert einfach nicht. Es geht über meine Kräfte das Leid der Welt auf meinen Schultern zu tragen. Das Leid, das einem von der Überflutung mit Information auf die Schultern geladen wird, wenn man nur ein bisschen Gerechtigkeitssinn hat.
Und wenn ich über ein Thema schreibe, so wird es mir oft übel genommen, wenn ich nicht jeden einzelnen Aspekt beleuchte. Ja, ich bin kein Journalist. Ich schreibe immer vorallem über die Aspekte einer Thematik, die mich interessieren oder die mir ins Auge springen, auch wenn ich versuche Dinge einigermaßen ausgewogen zu betrachten und niemanden zu beleidigen, der eigentlich auf meiner Seite steht. Aber schreibe ich über Frauenquote und Benachteiligungen von Frauen, dann werfen mir Männer vor, dass ich nicht betrachte wo Männer benachteiligt werden. Finde ich beispielsweise schwierig. Einerseits weil ich kein Mann bin und weil ich einfach einen anderen Fokus hatte. Alle Aspekte betrachten? Ich habe einen Blog und schreibe kein Buch.
Und wenn ich polemisch über Alltagsrassisten schreibe, dann sagen mir Menschen ich solle mit diesen Leuten doch mal reden und nicht im Blog rumpöbeln.
Mal ganz ehrlich, sind rhetorische und stilistische Mittel wie Polemik und Übertreibung und Ironie heute nicht mehr bekannt und erkennbar? Natürlich weiß ich auch, dass ein polemischer Text keine sinnvolle Diskussion zustande bekommt. Aber vielleicht sind diese Leute, die ich in solchen Texten angreife auch gar nicht die primär angesprochenen?
All diese kleinen Kämpfe, die ewige Informationsflut, die ewigen Forderungen Dinge anders zu machen, die Dinge, die auf einen einströmen, machen es nicht leicht sich zu fokussieren.
Geschuldet ist das vermutlich der heutigen Internetinformationsflutungsinfrastruktur. Ich bin kein rückwärtsgewandter Mensch, der sagt, dass diese Struktur böse ist. Ich finde gut, dass man sich vielseitig informieren kann, dass man verschiedene Meinungen lesen kann um sich dann selber eine Meinung zu bilden. Aber dennoch muss man aufpassen, dass man sich nicht hin- und herwerfen lässt von den Erwartungen, die Menschen an einen stellen, denn irgendwann zerreißt es einen.
2014 habe ich sehr stark gemerkt, dass ich zwischen den Stühlen saß und mich irgendwann nicht mehr mit Dingen beschäftigt habe, die mir eigentlich wichtig sind, weil die Erwatung an mich war, dass ich dazu eine bestimmte, um nicht zu sagen ablehnende, Haltung haben muss. Ich habe gemerkt, dass ich damit nicht glücklich sondern im Gegenteil immer unglücklicher werde.
Mein Vorsatz für 2015 ist deshalb vielleicht eines: Scheren aus dem Kopf zu kriegen, darüber nachdenken welche Themen mir wichtig sind und in welche Themen ich meine Energie stecken möchte, egal ob mir jemand sagt, dass das falsch oder vergebens oder was auch immer sein wird. Ich möchte den Spaß an der Politik und auch am Bloggen zurück. Aber dazu muss ich erstmal meine Gedanken ordnen. Und auch mal Dinge und Gedanken zulassen, die völlig unpolitisch sind und einfach nur so Spaß machen.
Ich möchte 2015 ohne schlechtes Gewissen mal einen Film gucken, mal was nettes kochen oder ein Buch lesen. Auch wenn ich im Vorstand in einer Landespartei bin. Alles andere macht einen nämlich kaputt.

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Eine Antwort zu Leere im Kopf, Informationsüberflutung und unerfüllte Erwartungen

  1. Tom Coal schreibt:

    Wir wollen wohl alle gern die ganze Welt retten und stoßen dabei an unsere Grenzen. Also bleibe dabei dich auf Themen zu konzentrieren und Dich nicht zu verzetteln. Diejenigen die von Dir verlangen, dass Du alles und jedes abarbeitest, machen es ja selbst nicht oder wenn doch, dann in schlechter Qualität.
    Also bleib auch 2015 wie Du bist.

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