Kleine Freuden. (K)eine Konsumkritik.

Ach diese Weihnachtszeit, wir haben sie ja wieder gut überstanden. Das Konsumgedöhns geht wieder auf ein Normalmaß zurück. Und siehe da, ich habe es geschafft nicht pleite zu gehen wegen der Geschenke.

Ach überhaupt, diese Geschenke.

Erst gestern ist mir aufgefallen, dass ich ja eigentlich am unteren Ende der Lohnskala logiere.

Und dennoch fällt es mir zu Weihnachten immer schwer mir etwas zu wünschen. Besonders, wenn ich es vergleiche mit dem, was grade so ‚in‘ ist. Jedes Jahr auf neue wird einem die neueste Unterhaltungselektronik angepriesen als das Must-have Weihnachtsgeschenk. Mir wird so etwas allerdings niemand schenken. Weil in meiner Familie niemand das nötige Kleingeld hat um ‚mal eben‘ ein Handy, einen Fernseher oder einen PC zu verschenken.

Davon abgesehen: Brauch ich so etwas? Ich hab 2 Handys, ich hab ein Tablet, ich hab einen Laptop, ich hab einen eBook Reader. Ich hab sogar einen Fernseher. Auch wenn der schon eine zweistellige Jahreszahl auf dem Buckel hat und geerbt ist, eines von den neuen Riesendingern würde ich eh nicht in meine Wohnung kriegen.

In der Familie werden Geschenke meist in Sammelleistung verschenkt. Wir sind ja auch 4 Geschwister, da gehen einzelne Geschenke auch ins Geld. Also habe ich mir dieses eine externe Festplatte gewünscht, die 60€ kostet und meine Geschwister + Eltern haben mir die zusammen geschenkt. Ich bin sicher in einigen Ohren klingt das lächerlich, dass 5 Leute zusammen werfen um mir ein 60€ Geschenk zu kaufen. Ist es ein Zeichen von Armut? Macht das mein Weihnachten weniger wertvoll? Und was sagt so ein Geschenk überhaupt aus? Letztendlich ist es doch nur etwas praktisches, was ich gebrauchen kann. Aber was hätte ich mir sonst wünschen sollen? Wie gesagt, andere Dinge habe ich schon, andere sind zu teuer. So eine externe Festplatte als Geschenk ist dann zugegebener Weise nicht so mit Emotionen verbunden.

Worüber habe ich mich also wirklich gefreut?

Darüber, dass mir mein Bruder einen Jutebeutel geschenkt hat, die er eigenhändig mit Darth Vader Starwars Motiven verzirrt hat. Und darüber, dass er mir Aufkleber mit der Aufschrift ‚Todesstern gegen Nazis‘ gebastelt hat.

Ja ernsthaft. Ich hab mich über das Selbstgebastelte am meisten gefreut, obwohl Selbstgebasteltes doch eher einen doofen Ruf hat. Aber ich mein: Erstens ist mein Bruder nun mal ein geiler Künstler. Zweitens hat er sich was dabei gedacht und hat aus Ernst und Witz und Begabung was geiles gemacht. Drittens: Es ist sind Unikate, die es genau einmal gibt.

Das beste Geschenk dieses Weihnachten habe ich übrigens nicht mal selber bekommen, sondern habe es selber verschenkt. Mit meinen drei Geschwistern zusammen habe ich meinem Papa Konzerttickets geschenkt für Paul Simon und Sting. Nachdem er im Herbst mal gesagt hatte, dass er Paul Simon so gern nochmal sehen würde aber die Karten zu teuer sind, habe ich mit meinen Geschwistern zusammengeschmissen (wieder mal) und Karten besorgt. Seit diesem Gespräch damals hat mein Papa seinen Job verloren und wird sich in Zukunft noch weniger Dinge leisten können, die Spaß machen. Deshalb hab ich mich seit drei Monaten darauf gefreut dass Weihnachten wird und wir ihm einen Wunsch erfüllen können, den er sich selber nicht hätte erfüllen können.

Und ihr hättet sehen sollen, wie er fassungslos auf die Karten geschaut hat und Freudentränen in den Augen hatte.

Das war mein bestes Weihnachtsgeschenk. Besser gehts eigentlich nicht.

 

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