„Weisse Wölfe“ Eine Buchrezension

DSC02576a

David G. (@gradewegs) liest David Sch.

Ich bin wirklich kein Comicmensch und hatte bis dato auch noch überhaupt keine Berührungspunkte mit Graphic Novels.
Aber weil ich mich schon lange mit der rechtsextremen Szene grade in Dortmund beschäftige und dort schon seit Jahren gegen Nazis auf die Straße gehe, habe ich mir die grafische Reportage ‚Weisse Wölfe‘ von David Schraven und Jan Feindt gekauft.

David Schraven hat in Dortmund recherchiert, weil er wissen wollte, wie es zum Mord an Mehmet Kubasik durch den ‚Nationalsozialistischen Untergrund‘ (NSU) in der Dortmunder Nordstadt kommen konnte und was Nazis dazu bewegt sich so zu radikalisieren, dass sie kleine Terrorzellen bilden und in den Untergrund gehen.

‚Weisse Wölfe‘ erzählt deshalb zum einen von der Radikalisierung eines jungen Mannes bis hin zur Bildung einer Terroristischen Einheit von ‚Combat 18‘, dem ‚bewaffneten Arm‘ von Blood&Honour, und zum anderen von David Schrawen selbst, wie er in der Dortmunder Nordstadt recherchiert.

vBYjrDhUIch muss sagen ich habe das Buch in einer Stunde durchgelesen, ich hätte es nicht aus der Hand legen können.
Ich weiß nicht, wie emotional ‚Weisse Wölfe‘ für Menschen ist, denen die rechte Szene in Dortmund unbekannt ist und die noch nie in Dortmund gegen Nazis auf der Straße waren. Für Menschen, die den Dortmunder Nazis noch nie gegenüber gestanden und ihre Parolen gehört haben.
Mich hat es sehr berührt und sowohl sehr wütend als auch sehr nachdenklich gemacht.

Einerseits ist die Geschichte dieses Nazis, der als junger Mann in die rechte Szene rutscht und sich immer weiter radikalisiert, sehr weit weg. Weit jenseits allen meinen Denkens und aller meiner empathischen Vorstellungskraft. Jenseits von allem, wie ich selber denke.

Und dennoch ist es eben auch sehr nah. Im Buch fährt Schraven durch die Dortmunder Nordstadt und läuft über die Mallinckrodt Straße. Die Straße, in der Mehmet Kubasik vom NSU in seinem Kiosk erschossen wurde, aber eben auch die Straße, in der meine Schwester einige Zeit gewohnt hat.

Schon die erste Seite zeigt eine Szene aus der Dortmunder Innenstadt, dort wo ich selber schon oft unterwegs war. Und schon ist man mitten drin. Diese Menschen, deren Denken so himmelweit von meinem entfernt sind, die sind halt doch ganz nah. Gegen sie gehe ich regelmäßig auf die Straße, sie bedrohen meine Freunde, sie verbreiten ganz in meiner Nähe Angst und Schrecken.

B_lnsCfW8AAWODZDie Reportage erzählt aber nicht nur unterhaltsam aufbereitet eine Geschichte, sie wirft
auch Fragen auf. Wie viel wussten staatliche Stellen schon vor dem offiziellen Auffliegen über den NSU? Wie sehr hat die Dortmunder Polizei in den letzten Jahren wirklich versagt? Warum können noch immer Nazis in Dortmund Gewalttaten verüben und Menschen terrorisieren? Wie viele nazistische Terrorzellen mag es noch geben? Woher kommt dieser Hass?

Ja, in diesen Fragen vermischen sich mein eigenes Engagement gegen Rechts und das was dieses Buch erzählt. Aber beides überschneidet sich in vielen Punkten. Viele der dargestellten Dinge waren mir schon bekannt, einiges war neu. Aber es bekräftigt mich auch darin zu sagen: Mein Engagement ist richtig und in Dortmund läuft seit vielen Jahren sehr vieles falsch.

Und wer sich wundert, dass die antifaschistische Szene in Dortmund sehr radikal ist, der weiß nach diesem Buch hoffentlich auch: Es ist logisch und es ist nötig, denn es hat sich dort eine besonders radikale rechte Pest festgesetzt, weil Polizei und Politik massiv versagt haben.

Großes Lob an den Autor David Schraven und den Zeichner Jan Feindt. Sie haben ein schwieriges Thema, das viele Erklärungen braucht, greifbar, wenn auch immer noch nicht begreifbar gemacht.

Kauft euch das Buch, es lohnt sich!10347634_10152837950813939_1731713534337101332_n
Und seid spätestens am 28.03. in Dortmund gegen Nazis auf der Straße, wenn dort dem Punk Schmuddel gedacht wird, der vor 10 Jahren von einem Dortmunder Nazi erstochen wurde. Einem Nazi übrigens, der weiterhin in Dortmund aktiv ist und Terror verbreitet.

Weisse Wölfe,  ISBN 978-3-9816917-0-2

Aufruf von BlockaDo zum 28.03.: http://www.blockado.info/28-maerz-kein-x-beliebiger-samstag/ 

Edit 12.03.2015: Die Autoren haben die Reportage nun auch online ins Netz gestellt, damit sie möglichst viele Menschen erreicht.

http://weisse-woelfe-comic.de/

Allerdings lohnt es sich auch definitiv das Buch zu kaufen um die Arbeit zu würdigen und zu unterstützen!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Demokratie, Toleranz, Weltbilder veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s