Back to Basis

Zum kommenden Landesparteitag in Gelsenkirchen stelle ich mein Amt als stellvertretende Landesvorsitzende der Piratenpartei NRW zur Verfügung.

Ich gehe mit zwei weinenden Augen, aber ich weiß auch, dass es das einzig richtige ist.

Ich hatte in meiner Amtszeit zwei Hörstürze und habe auf meinem rechten Ohr , was vorher schon nicht sonderlich gut war, einen Teil meines Gehörs verloren. Hohe Töne höre ich quasi garnicht mehr. (Sollte ich euch mal nicht gut verstehen und verständnislos gucken, liegt es vermutlich daran)

Meine Gesundheit ist mir wichtiger, und ich wollte das verbleibende halbe Jahr nicht zu einem ‚Durchhalten‘ werden lassen.

Meine zweite Amtszeit war sehr viel anstrengender als die erste, wenn ich ehrlich bin. Auch wenn sich eigentlich nicht so viel geändert hatte und die parteiinternen Konflikte eigentlich alle vorher ausgetragen wurden.

Es kamen einige Faktoren zusammen. Einerseits das Getrolle, was vier Tage nach Beginn meiner Amtszeit begann, mit massenweise Newsletteranmeldungen, mir zugesendeter Totholzwerbung, die ich nicht bestellt hatte und Anrufen von Firmen, die ich angeblich um Rückruf gebeten habe. Dieses setzt sich mit Pausen bis heute fort. Ich kriege jeden Tag Material für meine Altpapiertonne zugesendet, benutze mittlerweile meine LaVo Handynummer nicht mehr, weil mir die Anrufe zuviel geworden sind. Von dem Spam in meinem Postfach ganz zu schweigen. Seit  Wochen stehe ich wieder unter Dauerfeuer. (Ja, ich sollte das hier nicht schreiben, weil mein Troll sich dann sicher freut, aber ich möchte, dass ihr das wisst.)

Dann hat mich der Rücktritt von Jens im Oktober sehr getroffen. Ich habe das mal als den miestesten Tag 2014 bezeichnet und ja, das passt immer noch. Jens war für mich im LaVo bis dahin immer die wichtigste Bezugsperson und ist mir zu einem guten Freund geworden. Er hat damals einen sehr guten Blogpost geschrieben. Und leider kann ich nicht sagen, dass sich die Dinge, die er damals beschrieben hat, groß geändert hätten.

Mein Tiefpunkt war Anfang des Jahres, als ich das Gefühl hatte, dass im LaVo viele Dinge garnicht gut funktionierten, einige Menschen auf allen Kanälen auf uns einschlugen und außerdem meine Beziehung zerbrach bevor sie richtig begonnen hatte. Schon damals war ich ein paarmal kurz davor hinzuwerfen und hatte kaum noch die Kraft überhaupt Dinge für die Partei zu machen.

Ja, Politik ist kein Kuschelklub. Ja, ich hätte stärker sein müssen und es tut mir furchtbar leid, wenn ich Erwartungen nicht erfüllen konnte und Menschen, die mich gewählt haben enttäuscht habe.

Aber ich möchte dringend jeden, unabhängig von irgendwelchen politischen Strömungen in der Piratenpartei, dringend bitten eines zu bedenken: Der politische Gegner sitzt im Bundestag auf der Regierungsbank. Diese konservative GroKo, die unsere Menschen-, Bürger und Freiheitsrechte immer mehr beschneidet, die uns Überwachung aussetzt und Menschen, die vor Krieg und Armut in unser Land fliehen am liebsten so schnell wie möglich wieder loswerden will.

Ist es also wirklich nötig, dass sich Parteimitglieder immer wieder gegenseitig triggern um dann öffentlich aufeinander loszugehen? Damit machen wir uns unglaubwürdig. Und nein, da tut sich keine ‚Seite‘ was, deshalb geb ich auch keiner ‚Seite‘ die Schuld. Ich kann nur appellieren Dinge nicht mehr ständig auf Twitter & co breitzutreten und unsere kleine, liebenswerte Partei der Lächerlichkeit preiszugeben.

Ich weiß, dass einige Menschen es mir übel nehmen, dass ich sie auf Twitter entfolgt oder geblockt habe. Aber mir wurde das ewige parteiinterne Gestichel zu viel. Das kostet Kraft und Motivation. Bitte überdenkt das.

Ich habe viel während meiner Amtszeit viel Zeit, Kraft und auch Geld in die Partei gesteckt und ich habe das gerne getan. Ich habe viel gelernt, bin mehr gereist als je zuvor in meinem Leben, bin mutiger geworden und selbstbewusster. Ich weiß jetzt besser, wo meine Talente liegen und wo nicht. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und weiß, dass ich in den meisten Gegenden Deutschlands ne Couch zum pennen bekommen würde, wenn ich mal eine brauchen sollte

Und bei ganz vielen Konflikten kann ich mich zurücklehnen und lächelnd denken: Och, ich hab die Piraten überstanden 😀

In Zukunft werde ich wieder mehr Freitzeit haben, darauf freue ich mich. Ich werde das fortsetzen, was ich schon begonnen habe: Mir wieder ein Sozialleben außerhalb der Piratenpartei aufbauen. Wieder Zeit für gute Bücher haben. Fotografieren gehen. Zeit mit meiner Familie verbringen.

Ansonsten danke an alle, die mir damals bei der Wahl ihr Vertrauen geschenkt haben. Und Entschuldigung, wenn ich nicht alle Erwartungen erfüllen konnte.

Natürlich bin ich nicht vollständig weg aus der Partei. Ich freue mich auch wieder öfter zum Stammtisch ‚meiner‘ Piraten im Ennepe-Ruhr-Kreis zu gehen.

Bei denen muss ich mich sowieso bedanken.

Bei euch war ich in der ganzen Zeit nicht ‚Der LaVo‘, sondern einfach Maja.

Danke dafür ❤

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4 Antworten zu Back to Basis

  1. Christopher Schrage schreibt:

    Schön, dass Du den Piraten erhalten bleibst und danke für Dein Engagement im Vorstand. Vor allem wünsche ich Dir, dass Du Dich erholst und wieder gesund wirst.

    nixus

  2. wako schreibt:

    Liebe Maja,
    ich finde das sehr schade, aber kann dich verstehen. Ein fettes Danke mit ❤ von mir!
    LG wako

  3. Dirk Pullem schreibt:

    Vielen Dank für deine Arbeit.
    Damit ist eigentlich schon alles wesentliche gesagt.
    Trotzdem möchte ich dir noch ein paar weitere Worte schreiben.
    Es ist wichtig das man im Leben erkennt wann man sich selber zurück nehmen muss, denn das wichtigste ist die eigene Gesundheit. Denn nur wenn wir gesund sind können wir uns weiter für unsere Ziele einsetzen, egal ob politische oder persönliche.
    Aber sei dir bei einem Gewiss, du hast mehr Freunde gewonnen als du bisher ahnst. Die Menschen die dein Engagement gut finden sind meistens eher die Stillen, denn auch wir gehen meistens erst auf die Straße und werden Laut wenn uns etwas nicht gefällt. Die Dinge die wir gut finden nehmen wir viel zu häufig als selbstverständlich an.
    Auch ich habe es in den letzten Jahren viel zu selten gesagt daher nochmal: DANKE

    Dirk

  4. Masch schreibt:

    Erhol‘ dich gut, tanke Gesundheit, tue Dinge für dich.
    Wir sehen uns. ❤

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