Zu Besuch beim #protestbamfdo

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Am Samstag habe ich das Protestcamp syrischer Geflüchteter in Dortmund besucht.
An den Katharinentreppen direkt gegenüber vom Hauptbahnhof haben sie ihr Camp errichtet und protestieren dort gegen die langen Bearbeitungszeiten ihrer Asylanträge.
Zunächst hatten sie vor der Dortmunder Zweigstelle des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Huckarde demonstriert, wo es unter anderem zu einem versuchten Angriff von Neonazis kam, wurde den Geflüchteten erlaubt ihren Protest im Herzen von Dortmund fortzusetzen.
19051481771_0797aca7fa_hAls ich ankomme, wird grade ein neues Banner gemalt. „Bitte helfen Sie uns unsere Familien in Syrien vor dem Tod zu retten!“ steht darauf.
Die Stimmung wirkt erst einmal locker. Ich habe zuhause einige Wolldecken eingepackt und mit nach Dortmund gebracht, welche die Geflüchteten gerne entgegen nehmen. Und ja, an den Katharinentreppen pfeift ein ziemlich kalter Wind. Als ich nach kurzer Zeit fröstele, muss ich daran denken, dass die Geflüchteten hier seit Tagen ausharren und auch wieder die Nacht mit nur unzureichendem Windschutz verbringen werden, und schäme mich.
Überhaupt ist man ständig mit krassen Widersprüchen konfrontiert.

18860609800_279ea7302f_hEs laufen beständig Menschen am Camp vorbei, die auf dem Westenhellweg in der Thiergalerie shoppen wollen. Die Gesichter der Menschen zu beobachten ist interessant. Erst Verwunderung darüber, was die Zelte am Rand des Platzes machen, dann nach dem Lesen der Banner und Plakate Betroffenheit, manche lachen auch, vielleicht aus Unsicherheit, andere brummeln ein ‚und dann kommen die alle zu uns?‘ vor sich hin.

Eines der Plakate, die die Refugees selber geschrieben haben, hat einen Grammatikfehler. Kann vorkommen, schließlich lernen sie erst Deutsch. Ein Deutscher älteren Semesters fängt plötzlich an an diesem Plakat herum zu verbessern, sagt einem der Protestierenden, dass das so ja falsch sei und zückt dann noch Zettel und Stift um aufzuschreiben, die es richtig sein muss. Seiner Begleitung ist das sichtlich peinlich und versucht ihn davon abzubringen. Ich selber bin fassungslos, meine Nachfrage, ob das grade sein Ernst ist, wird ignoriert. Schließlich nimmt einer der Geflüchteten das Plakat zur Seite.

18860692188_7a4bf3cde6_kDa sind diese Leute monatelang und unter Gefahren geflüchtet, haben ihre Familien in Syrien zurück gelassen, wo sie in Lebensgefahr schweben, und diesem Mann ist es nur wichtig dass das Plakat korrekt geschrieben ist. Diese Überheblichkeit ist widerlich und so unglaublich absurd.

Als das Protestcamp noch in der früheren Location in Huckarde war, hatten Neonazis versucht die Refugees anzugreifen, worauf 5 Nazis, unter anderem der Dortmunder Ratsherr Michi-YoutubeStar-Brück eine Nacht in Gewahrsam verbringen mussten.
Der Platz an den Katharinentreppen ist deshalb gut von der Polizei gesichert. An allen Zugängen stehen Polizeiwannen und auch in den Seitenstraßen der Umgebung stehen Mannschaftswagen. Würde es Ärger geben, wäre die Polizei schnell zahlreich zur Stelle. Allerdings halten sie sich trotz der Präsenz vornehm im Hintergrund, sodass man sich nicht unwohl fühlt. Es hat den Anschein, als wolle die Stadt Dortmund mit dem Umgang mit dem Camp auch ein bisschen das miese Image als Nazihochburg grade rücken. Aber wenn es den Refugees nutzt und ihnen Sicherheit gewährleistet, warum nicht?

Und dennoch werden auch an diesem Tag wieder Fotos vom Camp auf Twitter gepostet, von der ‚Nationalen Front Eving‘, einer der Dortmunder Nazigruppen. Sie müssen unauffällig am Camp vorbei gekommen sein um zu kundschaften und eben Fotos zu machen. Die Bedrohung ist also dennoch allgegenwärtig.

Leider kann ich nicht bis zum Abend bleiben. Momentan ist Ramadan und Abends wird auch im Protestcamp das Fasten gebrochen. Das hätte ich gerne miterlebt.

Aber auch so hinterlässt der Tag bei mir einen tiefen Eindruck. Ich fahre zurück in meine warme Wohnung, die Geflüchteten bleiben zurück an ihrem zugigen Platz an den Katharinentreppen, wo sie dafür protestieren dass ihre Asylanträge schneller genehmigt werden und dass sie ihre Familien, die in Syrien weiter in Lebensgefahr schweben. Das ist ein so großer Widerspruch und eine so große Ungerechtigkeit, dass ich heulen möchte.

I18862140979_2d862b5b52_hm Kopf bleibt mir vor allem die Aufschrift eines der Plakate. „Wir wollen nicht Ihr Geld, wir wollen Ihre Unterstützung!“ Verdammt nochmal Deutschland, das kann doch nicht so schwer sein!

Geflüchtete sollen Willkommen sein  – Refugees Welcome!

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