Gegen Schuldumkehr und Rassismus

„Die Stimmung kippt.“ Das sagen mir allenthalben irgendwelche Politiker, Experten, Medien.
„Die Stimmung kippt, weil so viele Asylsuchende nach Deutschland kommen. Asylsuchende, aus sicheren Drittländern, die hier keine Chance auf die Bewilligung eines Asylantrags haben. Und deshalb gibt es mehr Rassismus, weil die Menschen kein Verständnis dafür haben!“

Aha. Die Menschen, die hierher kommen um eine bessere Zukunft zu suchen, sind also selbst schuld, wenn die Bevölkerung rassistisch reagiert?

Ich halte diese Argumentationskette, wie sie dieser Tage oft angewandt wird, für gefährlich.

Sie akzeptiert auf der einen Seite Rassismus als gegeben und als logische Folge der derzeitigen Situation in der viele Flüchtende nach Deutschland kommen. Und sie sorgt eben für eine Umkehr der Schuld an Rassismus, weil sie voraussetzt, dass der Rassismus nicht so hoch wäre, würden weniger Menschen ins Land kommen. Menschen, von denen dazu noch suggeriert wird, dass nur nach Deutschland kommen, weil sie den Sozialstaat ausnutzen wollen.
Das alles ist ziemlich widerwärtig.

In dieser Argumentationskette vermengen sich Rassismus und Sozialneid zu einer sehr hässlichen Masse.
Beides ist in diesem Lande latent bis manifest vorhanden. Wobei der Sozialneid noch viel mehr gesellschaftlich akzeptiert wird und deshalb auch so selbstverständlich angewandt wird, um gegen Flucht und Einwanderung zu argumentieren.

Rassismus und Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft sind vielleicht verpönt, aber wenn es darum geht, dass sie einem etwas wegnehmen könnten, dann ist das scheinbar plötzlich wieder völlig okay. Eine erschreckende Entwicklung, die Fremdenfeindlichkeit entschuldigt und salonfähig macht.
Dort tun sich einige CSU Politiker besonders hervor, aber auch amtierende Bundesminister nehmen diese Argumentationslinien bedenkenlos auf.

Nur: Rassismus ist keine Folge von Menschen, die hierher kommen und auch nicht deren Schuld. Rassismus ist immer eine Folge von Hass und chauvinistischem Denken.
Man kann die Politik und auch die Medien eigentlich nur nachdrücklich auffordern aufhören Rassismus zu entschuldigen und durch die hohe Zahl von Flüchtenden zu begründen.
Für Rassismus gibt es keine Entschuldigung. Und an Rassismus sind niemals die Schuld, die von Rassismus betroffen sind, sondern immer die, die rassistisch sind, rassistisch handeln und Rassismus entschuldigen.

Ich fordere deshalb klare Aussagen in diese Richtung. Von Seiten der Politik und von Seiten der Medien.
Keine Entschuldigungen für Rassismus. Nie.

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Eine Antwort zu Gegen Schuldumkehr und Rassismus

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