„Das ist nicht unser Land…“ – DOCH!

Am Sprachduktus macht sich vieles fest momentan.

Es sind „Asylkritiker“, die gegen Geflüchtetenunterkünfte hetzen.
Es sind „vermutlich Rechte“, die in Heidenau Böller auf Polizisten werfen und Busse mit Geflüchteten bei der Zufahrt behindern.
Es waren „Besorgte Bürger“ die im Winter zu Tausenden mit Pegida auf der Straße waren.

Allen diesen Begriffen ist eines gemeinsam: Die sind verharmlosend.

Ich bin kein Linguist, aber auch als Normalmensch verstehe ich folgendes:

Die Begriffe sollen das vorhandene, drängende Problem verschleiern.
Sie sollen die Tatsache verschleiern, dass echter, stumpfer Rassismus in der Bevölkerung vorhanden ist.

Würden Politiker das zugeben, dann müssten sie ja Stellung beziehen. Und das mitunter auch gegen die eigenen Wähler, mit der Gefahr, dass diese sie dann nicht mehr wählen. Letztendlich ist dies also in der freundlichsten Auslegung als miese Masche zur Machterhaltung zu sehen, in der schlechtesten als Verharmlosung oder gar Zustimmung.

Besonders ärgern mich allerdings Aussagen, wie sie vom sächsischen Ministerpräsidenten Tillich vernommen wurden.

„Das ist nicht unser Sachsen!“ äußerte er sich zu den Vorfällen in Heidenau.
Hier zeigt er die ganze Bandbreite an Ignoranz, Verleumdung, Schuldabweisung.

Denn: Es ist eben doch sein Sachsen, in dem diese Dinge passieren. Es sind Bürger in seinem Bundesland, die offen rassistisch agieren und gegen die er wenig bis nichts tut.

„Nicht unser Sachsen!“ Damit suggeriert er keine Verantwortung für die Geschehnisse zu haben und weigert sich gleichzeitig Verantwortung zu übernehmen. Damit lässt er aber auch die Leute im Stich, die sich gegen Rechtsextreme stellen.

Eine solche Wortwahl ist fatal und verantwortungslos. Aber sie fügt sich in das Bild ein, das die Politik in diesen Tagen allgemein abgibt. Sie ist bestürzt, besorgt, empört, aber sie übernimmt keine Verantwortung.

In der Angst Wähler zu vergrätzen distanziert sie sich zwar von Nazis, aber sie bekämpft sie nicht.

Und das ist so fatal, dass ich nur ungern darüber nachdenken möchte, was noch auf uns zukommt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Demokratie, Piraten, Toleranz, Weltbilder veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s