Kurzgedanke: Von ‚deutscher Kultur‘ und Flüchtenden.

Eine Million Flüchtlinge werden geschätzt dieses Jahr noch Deutschland kommen.
Gleichzeitig jammern Politiker darüber, dass Deutsche zu wenig Kinder kriegen und ‚wir Deutschen‘ irgendwann aussterben.

Da wird dann auch wieder klar, was für ein tief-rassistisches Menschenbild immer noch vorherrscht. Es geht nämlich nicht darum, dass die Bevölkerung schrumpft, das tut sie nicht, sie wächst ja momentan. Sondern darum, dass ‚die Deutschen‘ wer auch immer das sein soll, zu wenig Kinder bekommen und weniger werden.

Jetzt frag ich mich, wer diese ‚Deutschen‘ sein sollen? Die Leute, deren Vorfahren auch schon im Vorkriegsdeutschland hier lebten?
Oder wer? Denn die 70 Jahre seit dem Krieg sind doch eigentlich geprägt von Einwanderung. in den 60ern sogenannte Gastarbeiter verschiedenster Herkunft und Kultur, die Leute, die wegen der verschiedensten Konflikte in ihren jeweiligen Herkunftsländern in den letzten 30 Jahren ins Land kamen…

Aber scheinbar hat man immer noch das Bild, dass ’nicht deutsche‘ Menschen irgendwann wieder gehen. Oder – schlimmer – eine Bedrohung für irgendein obskures, nicht näher definiertes ‚Volk‘ darstellen. Da wird wieder einmal klar, wie sehr auch Politik noch immer von völkischen Ideen geprägt ist.

Dabei ist die Vorstellung doch Blödsinn. Auch von den Leuten, die nun als Flüchtende herkommen, werden viele Menschen bleiben. Hier ein Leben aufbauen. Deutschland auch irgendwann ihre Heimat sehen, weil sie hier Wurzeln geschlagen haben und ihre Lebensgeschichte hier schreiben. Das ist normal und die meisten Menschen brauchen in diesem völlig unpatriotischen Sinne eine Heimat. Aber dieser Ort hat nun mal nicht zwingend etwas damit zu tun, wo jemand geboren wurde.

Und in diesem Sinne finde ich es auch furchtbar, wenn mir ‚Deutsche‘ wieder die Ohren vollheulen ‚unsere Kultur‘ werde zerstört und dann damit um die Ecke kommen, dass Martinszüge angeblich nicht mehr Martinszüge heißen dürfen und Weihnachtsmärkte angeblich nicht mehr Weihnachtsmärkte.
Also jetzt mal davon abgesehen, dass ich das letzte Mal im Kindergartenalter auf einem Martinszug war und Weihnachtsmärkte eher meide wo ich kann. Im Gegensatz zu früher bin ich heute auch nicht mehr sonderlich christlich. Wieso also soll das ‚meine Kultur‘ sein? Wieso will das irgendjemand bestimmen, nur weil der Großteil meiner Vorfahren aus diesem Deutschland kommt?
Selbst meine eigene ‚Kultur‘ und meine eigene ‚Moral‘ sind ja veränderlich.

Langer Gedankengang, kurzer Sinn: Menschen kommen, Menschen bleiben, Menschen bringen Kultur mit und Menschen adaptieren Kultur. Das ist normal. Gewöhnt euch endlich dran.

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