Weil mir Schweigen zu wenig ist…

Ich frage mich ja schon, was Leute treibt, die sich hinsetzen und meine Mailadresse in rechtsradikale Newsletter eintragen.
Die auf meinen Namen Blogs mit rechtsradikalen Titeln anmelden.
Die Profile mit meinem Namen auf Facebook erstellen wollen.
Die mir Pakete schicken lassen, die ich nicht bestellt habe, mit Rechnungen, die ich nicht zahlen will.
Die auf DortmundEcho schreiben man müsse mich im Auge behalten.
Die meinen Namen nutzen um andere Antifaschisten zu outen.

Langeweile? Arschlochtum? Hass, weil ich mich gegen ihre Überzeugungen einsetze?

Ja jetzt könnt ihr wieder sagen, „Jetzt fühlt sich derjenige, der das macht, bestätigt, weil die Alte sich aufregt.“ Aber andererseits: Soll ich dazu schweigen? Mir nichts anmerken lassen?

Und ihr könnt auch sagen: „Selbst schuld, warum provozierst du Rechte auch?“ Ja. Soll ich mein Maul halten? Wahlweise meine Identität verschleiern? Ersteres will ich nicht, letzteres ist leider eh nicht möglich.

So. Nu wisst ihr es. Es geht mehr herbe auf den Sack zu so einer Scheiße zu schweigen. Also mach ichs nicht.

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Kurzgedanke: ‚Dislike‘-Button – Einmal am Problem vorbei gedacht.

Wie tritt man Hass im Netz gegenüber? Oder noch wichtiger: Wie tritt man ihm entgegen?
Grade Facebook wurde immer kritisiert, dass Hasskommentare mit teils schlimmsten, volksverhetzenden Aussagen gar nicht gelöscht werden oder in einigen prägnanten Fällen erst nachdem Medien darüber berichtet hatten.

Nun gibt es offenbar von Facebook die Pläne einen ‚Dislike‘ Button einzuführen und von einigen Medien wird das so verkauft als sei dies ein Mittel gegen Hasskommentare.
Ist es aber nicht.

1. Es wird keinen Mechanismus geben um Beiträge abzuwerten oder aufzuwerten.
Gefällt mir nicht, ist also genauso lediglich eine Meinungsäußerung wie ein ‚Gefällt mir‘.

2. Rassisten können den Button auch benutzen.
Ergo sagen viele ‚Gefällt mir nicht‘ Angaben rein Garnichts darüber, ob ein Beitrag tatsächlich voller Hass ist, oder ob er einfach nur sehr vielen Leuten auf den Schlips tritt, weil er sich beispielsweise gegen Rassismus wendet.
Ein Button wertet nun mal nicht.

3. Ein Button ersetzt keinen Kopf.
Und das als Fazit. Viele ‚Gefällt mir‘ oder ‚Gefällt mir nicht‘ Angaben sagen rein Garnichts über den Inhalt eines Blogpostes aus. Es löst also keinesfalls das Problem, dass Menschen in Kommentaren und Beiträgen Hass verbreiten und Facebook diese Menschen gewähren lässt. Offenbar ist es entweder nötig, dass Facebook seine AGBs und Regeln an deutsche Gesetzgebung anpasst und danach handelt, oder man halt weiterhin mit Hasskommantaren leben muss und damit, dass diese nicht gelöscht werden. In diesem Fall ist es halt immer noch möglich Anzeige zu erstatten. Davon abgesehen: Reines Löschen von Kommentaren ersetzt ja sowieso kein justiziables Vorgehen.
Wer also wirklich will, dass jemand für Aufrufe zur Gewalt, etc. zur Rechenschaft gezogen wird, der wird um eine Anzeige nicht herum kommen. Und diverse Beispiele zeigen, dass das funktioniert.

Ein neuer Button ist also allenfalls ein neue Funktion, löst aber überhaupt keine Probleme. Sollte Facebook das behaupten, wäre es ein Wegducken. Mehr nicht.

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Kurzgedanke: Von ‚deutscher Kultur‘ und Flüchtenden.

Eine Million Flüchtlinge werden geschätzt dieses Jahr noch Deutschland kommen.
Gleichzeitig jammern Politiker darüber, dass Deutsche zu wenig Kinder kriegen und ‚wir Deutschen‘ irgendwann aussterben.

Da wird dann auch wieder klar, was für ein tief-rassistisches Menschenbild immer noch vorherrscht. Es geht nämlich nicht darum, dass die Bevölkerung schrumpft, das tut sie nicht, sie wächst ja momentan. Sondern darum, dass ‚die Deutschen‘ wer auch immer das sein soll, zu wenig Kinder bekommen und weniger werden.

Jetzt frag ich mich, wer diese ‚Deutschen‘ sein sollen? Die Leute, deren Vorfahren auch schon im Vorkriegsdeutschland hier lebten?
Oder wer? Denn die 70 Jahre seit dem Krieg sind doch eigentlich geprägt von Einwanderung. in den 60ern sogenannte Gastarbeiter verschiedenster Herkunft und Kultur, die Leute, die wegen der verschiedensten Konflikte in ihren jeweiligen Herkunftsländern in den letzten 30 Jahren ins Land kamen…

Aber scheinbar hat man immer noch das Bild, dass ’nicht deutsche‘ Menschen irgendwann wieder gehen. Oder – schlimmer – eine Bedrohung für irgendein obskures, nicht näher definiertes ‚Volk‘ darstellen. Da wird wieder einmal klar, wie sehr auch Politik noch immer von völkischen Ideen geprägt ist.

Dabei ist die Vorstellung doch Blödsinn. Auch von den Leuten, die nun als Flüchtende herkommen, werden viele Menschen bleiben. Hier ein Leben aufbauen. Deutschland auch irgendwann ihre Heimat sehen, weil sie hier Wurzeln geschlagen haben und ihre Lebensgeschichte hier schreiben. Das ist normal und die meisten Menschen brauchen in diesem völlig unpatriotischen Sinne eine Heimat. Aber dieser Ort hat nun mal nicht zwingend etwas damit zu tun, wo jemand geboren wurde.

Und in diesem Sinne finde ich es auch furchtbar, wenn mir ‚Deutsche‘ wieder die Ohren vollheulen ‚unsere Kultur‘ werde zerstört und dann damit um die Ecke kommen, dass Martinszüge angeblich nicht mehr Martinszüge heißen dürfen und Weihnachtsmärkte angeblich nicht mehr Weihnachtsmärkte.
Also jetzt mal davon abgesehen, dass ich das letzte Mal im Kindergartenalter auf einem Martinszug war und Weihnachtsmärkte eher meide wo ich kann. Im Gegensatz zu früher bin ich heute auch nicht mehr sonderlich christlich. Wieso also soll das ‚meine Kultur‘ sein? Wieso will das irgendjemand bestimmen, nur weil der Großteil meiner Vorfahren aus diesem Deutschland kommt?
Selbst meine eigene ‚Kultur‘ und meine eigene ‚Moral‘ sind ja veränderlich.

Langer Gedankengang, kurzer Sinn: Menschen kommen, Menschen bleiben, Menschen bringen Kultur mit und Menschen adaptieren Kultur. Das ist normal. Gewöhnt euch endlich dran.

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Kurzgedanke: Helfer = Egoistenschweine? #refugeeswelcome

„Diese ganzen Leute, die jetzt helfen,“ sagte einst ein Mensch zu mir, „die wollen sich doch nur gut fühlen. Reine egoistische Scheiße!“
Ernsthaft. Ich finde es beeindruckend was Menschen momentan auf die Beine stellen um ankommende Flüchtende in Deutschland Willkommen zu heißen. Hunderte, die sich an Bahnhöfen versammeln. Tonnen an Spenden.
Und ja, mir ist auch klar, dass viele ohne diverse Promistatements vielleicht nicht auf den Gedanken gekommen wären. Und ja, mir ist klar, dass es grade wegen dieser Statements momentan vielleicht ‚chic‘ ist zu helfen.
Vermutlich wird das ganze auch wieder etwas abflachen.
Aber über diese Leute schimpfen? Warum denn? Weil man selber schon viel früher wusste, dass Hilfe wichtig ist? Weil das jetzt so Mainstream ist?
Das zeugt von einer Blasiertheit sondergleichen.
Ja, ich finds kacke, wenn Leute meinen, sie könnten helfen, indem die ihren Sperrmüll vor einer Geflüchtetenunterkunft abladen. Weder sind schmutzige Laken hilfreich, noch Spielzeugpistolen für traumatisierte Kinder. Aber dafür gibt’s ja in vielen Städten Listen was benötigt wird.
Ja. Helfen macht ein gutes Gefühl. Natürlich. Die meisten Menschen betätigen sich nicht ehrenamtlich weil es eine lästige Pflicht ist, sondern weil es Spaß macht, Freude bringt. Ich finde das völlig in Ordnung und diese Diskussion total widersinnig.
Es ist irgendwie auch ‚typisch deutsch‘ erst mal das Haar in der Suppe zu finden.
Insofern: Ja engagiert euch! Es bringt Freude, Freunde und positive Gefühle! Tut es so, dass es wirklich hilfreich ist und informiert euch vorher.
Und liebe Meckerer: Wer jetzt geflüchteten Menschen hilft, steht nächste Woche nicht mit Pegida, ProDeutschland oder sonstigen Volksverhetzern auf der Straße, oder?
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Kurzgedanke – ‚Die‘ sehen gar nicht arm aus! #refugeeswelcome

Woher kommt eigentlich die Annahme ‚richtige‘ Flüchtende hätten mal mindestens zerlumpt, ärmlich und ungepflegt auszuschauen?
Und ein Handy geht schon gar nicht?

Wer vor Krieg flieht, kommt doch nicht zwingend aus einem Land, wo er finanziell schlecht da stand. Grade viele der Syrer, die nun nach Deutschland flüchten haben einen hohen Bildungsstand.

Und grade wenn ein Mensch alles verloren hat außer seiner Würde, dann wird er sich doch nicht zulassen, dass seine letzte Kleidung auch noch verkommt?

In Dortmund habe ich am Wochenende viele Menschen gesehen, die nur noch besaßen, was sie am Leib trugen. Aber keiner von ihnen sah ungepflegt aus.
Todmüde und erschöpft und gezeichnet von Strapazen, ja. Aber nicht ungepflegt. Weil es eine Frage von Würde und Stolz ist.

Vorurteile sollte man überdenken, bevor man sie ausspricht. Echt.

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Ein unvergessliches Wochenende. #trainofhope

Disclaimer: Verzeiht, wenn ihr Fehler und unlogische Sätze findet oder irgendwas wirr klingt. Ich schreibe das hier völlig übermüdet auf, damit ich es nicht vergesse.

Kennt ihr das Gefühl etwas hautnah miterlebt zu haben, das von Bedeutung ist? Das etwas verändert hat?
Bis zu diesem Wochenende hätte ich geantwortet: Nicht wirklich.
Und dann kam dieses Wochenende.

Schon die Woche über hatte ich gelesen und mitverfolgt, wie freiwillige Helfer vorallem an den Bahnhöfen in Wien und München einen unfassbar tollen Job machten, als Flüchtende aus Richtung Ungarn dort ankamen.

Freitag hörten wir vom #marchofhope, als Flüchtende die Grenze zwischen Ungarn und Österreich zu Fuß erreichen wollten. Weil Ungarn sie nicht weiterreisen lassen wollte und sie stattdessen in Flüchtlingslager bringen wollte, wo unmenschliche Bedingungen herrschen.
Ich höre mich noch zu meinem Arbeitskollegen sagen: „Wenn sie die Grenze nicht überqueren dürfen, gibt das eine Katastrophe.“ Also eine größere Katastrophe als die humanitäre, die es eh schon war, mit Menschen, die seit Tagen unter schlimmsten Bedingungen am Budapester Bahnhof campierten. Mit Kindern, die dort auf dem Boden schliefen.
Nie hätte ich gedacht dass ich Sonntags in Dortmund am Bahnhof stehe und an einige der gleichen Kinder Überraschungseier verteile.
Der Freitagabend ging also mit dem bangen Gedanken zu Ende, dass nichts schlimmes passieren möge, dort unten, in Ungarn.

Als ich dann mitten in der Nacht wach wurde und auf mein Twitter schaute, las ich dort, dass Deutschland und Österreich die Einreise der Flüchtenden erlaubt haben und dass viele mit Bussen zur Grenze nach Österreich gebracht werden.

Samstag war ich dann auf einer Demo gegen Rechts in Wuppertal, wurde vollgeregnet und wollte schon nur noch in mein warmes Bett kriechen, als dann Abends die Nachricht kam: Etwa 1000 Flüchtende werden irgendwann, vermutlich in der kommenden Nacht, in Dortmund ankommen.

Und damit begann etwas, das wohl zu einem der beeindruckendsten Dinge zählt, die ich je in meinem Leben erlebt habe.

Auf Twitter begannen Menschen auf der Stelle sich zu vernetzen, abzusprechen, zu überlegen was alles benötigt werde, wenn diese Flüchtenden in Dortmund ankämen. Ganz kurze Zeit später gab es einen eigenen Twitteraccount, einen eigenen Hashtag und im ganzen Ruhrgebiet Menschen, die sich auf den Weg machten entweder noch schnell vor Ladenschluss um 22 Uhr die Supermärkte zu stürmen oder danach noch auf anderen Wegen Lebensmittel, Wasser und alles zu organisieren, womit man Menschen, die nur noch das haben, was sie tragen können, verpflegen kann.
Mein Freund und ich beschlossen uns nach dem anstrengenden Tag noch ein bisschen hinzulegen und dann um 1 auch nach Dortmund zu fahren um zu schauen, wo wir helfen könnten.

Als wir dort ankamen, hatten sich dort schon hunderte Helfer eingefunden. Menschen, die ohne dass es eine zentrale Organisation gegeben hätte, zum Dortmunder Bahnhof gekommen waren, sie hatten es geschafft trotz Ladenschluss genug Spenden, hauptsächlich Lebensmittel und Wasser, herbei zu schaffen, dass hunderte Essenspakete gepackt wurden konnten. Beeindruckend, einfach nur beeindruckend.
Und die Helfer waren Menschen jeden Alters. Jeder Ausrichtung. Vom Antifa bis zum Pfadfinder. Immer mehr Menschen mit Paketen kamen an.

Mittlerweile war organisiert worden, dass die Geflüchteten, die von Dortmund aus auf Unterkünfte im Umland verteilt werden sollten, im Dietrich-Keuning-Haus um die Ecke versorgt werden sollten. Ergo wurden mit Hilfe der Feuerwehr und Menschenketten, alle Spenden dorthin geschafft.

Alles zusammen, im Schwarm, ohne irgendeine besonderte Organisation von oben, packten alle mit an.

Zwischendurch musste ich leider noch einen Reporter von der Bildzeitung anschreien. Er hatte versucht sich dort mit einem Mikro vor dem Gesicht für ‚BILD TV‘ großzutun und ging nach einer Störung einen jungen Antifa aggressiv an, und wollte uns dann weis machen, dass die BILD mit ihrer ‚Ich helfe‘ Aktion zum Blatt für Menschenfreunde mutiert ist und ohne BILD das dort eigentlich alles nicht möglich gewesen wäre. Das. Aus der Mund eines BILD Menschen. Der BILD, die weit Jahr und Tag Ressentiments gegen Geflüchtete schürt. Ich fürchte ich bin etwas laut und ausfallend geworden.
Aber die Menschen dort haben sich auch nicht vereinnahmen lassen. Und das ist gut so.

Die überwältigende Hilfe ist ohne die BILD entstanden und ohne sonstige Organisationen. Abgesehen von der Feuerwehr und dem Roten Kreuz, die vor Ort waren und tolle Arbeit leisteten.

Dortmund. Leider ist das auch sie Stadt mit den Nazis. Und auch diese wollten gerne provozieren und meldeten eine Versammlung gegenüber des Dortmunder Bahnhof an. Die hielten sie dann auch ab. Im Dunkeln. Abgeschirmt von der Polizei. Brenzlich wurde es nur, als die Polizei auf die wahrlich bescheuerte Idee kam, man müsse diese 20 Gestalten über den Dortmunder Hauptbahnhof abreisen lassen, anstatt sie nach Dorstfeld laufen zu lassen. Und nicht nur das, anstatt sie über eine Nebentreppe aufs Gleis zur S-Bahn zu geleiten, was problemlos möglich gewesen wäre, sollte dies durch die Bahnhofshalle passieren. Wo doch innerhalb des Bahnhofs hunderte Unterstützer der Refugees unterwegs waren. Die Situation eskalierte natürlich bis die Nazis wieder aus dem Bahnhof heraus und doch durch die Nebentreppe zum Gleis geführt wurden.

Aber das wunderbare an dieser Nacht: Kaum, dass die brenzliche Situation beseitigt und die Nazis weg waren, war vor dem Bahnhof schon wieder Partystimmung, eine kurdische Trommeltruppe sorgte für Stimmung, Menschen tanzten auf dem Bahnhofsvorplatz.

Mittlerweile war es 4 Uhr in der Nacht und der Zug mit den Geflüchteten war für frühestens 7 Uhr angekündigt.
Die Kräfte von meinem Freund und mir waren mittlerweile aufgebraucht und wir entschlossen uns heim zu fahren. Wir wussten, dass genug Supporter vor Ort sein würden.

Der erste Zug kam dann erst um kurz vor 9 Uhr Morgens in Dortmund an, grade als ich nach 3 Stunden Schlaf daheim wieder erwacht war.

Wir beschlossen doch nochmal nach Dortmund zu fahren, auch wenn wir gehört hatten, dass Helfer und Spenden in ausreichender Zahl vorhanden waren. Und dennoch. Nach den Erlebnissen der letzten Nacht, wollten wir zumindest nochmal vorbei schauen.

Und so fand ich mich also wieder wie ich Überraschungseier an die Kinder verteilte, die unter den Menschen waren, welche in Bussen auf andere Unterkünfte verteilt wurden. Kinder, die mehr hinter sich haben, als ich mir vorstellen kann. Kinder, die die lange Reise aus ihren Heimatländern mitgemacht haben. Die am Budapester Bahnhof auf dem Boden schlafen mussten. Kinder, die aber eben doch Kinder sind. Die stolz gespendete Stofftiere in den Händen hielten und die sich über die Geschenke freuten.
Ich werde mich wohl lange an die kleinen Jungs erinnern, für die es dann das wichtigste auf der Welt zu sein schien, als der eine dem anderen die geschenkten Bonbons mopste. Wie Kinder eben sind.

Während wir dort standen, kamen auch immer wieder Menschen vorbei, die Spenden brachten, obwohl schon genug da war. Und Menschen, die ihren Kindern erklärten, was es mit den Menschen, die dort in die Busse stiegen, und die so unendlich müde aber glücklich aussahen, auf sich hat.

Zwischendurch kamen auch immer noch Geflüchtete vom Bahnhof her an. Familien mit kleinen Kindern. Ein Vater, der völlig erschöpft, seine schlafende Tochter auf dem Rücken trug. Menschen, deren Geschichte ich nicht kenne, aber hoffe, dass sie sich nun sicher fühlen können.

Ich bin dann wieder gefahren.
Zurück geblieben sind viele, viele Helfer, die dort noch auf weitere ankommende Züge warten und Menschen Willkommen heißen und verpflegen.

Das grandiose an dieser Dortmunder Geschichte ist, dass sich diese auch in anderen Städten ereignet hat. In Frankfurt. In Hamburg. In Saalfeld. Schon seit Tagen in Wien und München.

Menschen, die sich größtenteils über das Internet vernetzen. Menschen, die einfach kommen um zu helfen. Die aus dem Nichts riesige Berge an Spenden zusammenbringen. Die sich solidarisch organisieren, ohne dass irgendwer ihnen sagt, was sie tun müssen.

Ich habe das Gefühl von etwas Zeuge geworden zu sein, das etwas in unserem Land verändert hat. Dass das Beste in unserer Gesellschaft hervorgebracht hat.
Die letzte Nacht war wohl eine der beeindruckendsten in meinem Leben.

Nun werden wir die Geflüchteten in unserer Gesellschaft aufnehmen. Das wird uns bei vielen Menschen sicherlich viel Überzeugungsarbeit kosten. Aber ich habe ziemlich viel Hoffnung geschöpft an diesem Wochenende und werde mich noch lange daran erinnern.

Die Politik mag immer noch versagen und sich winden. Die Menschen haben nicht versagt. Die haben einfach geholfen.

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„Das ist nicht unser Land…“ – DOCH!

Am Sprachduktus macht sich vieles fest momentan.

Es sind „Asylkritiker“, die gegen Geflüchtetenunterkünfte hetzen.
Es sind „vermutlich Rechte“, die in Heidenau Böller auf Polizisten werfen und Busse mit Geflüchteten bei der Zufahrt behindern.
Es waren „Besorgte Bürger“ die im Winter zu Tausenden mit Pegida auf der Straße waren.

Allen diesen Begriffen ist eines gemeinsam: Die sind verharmlosend.

Ich bin kein Linguist, aber auch als Normalmensch verstehe ich folgendes:

Die Begriffe sollen das vorhandene, drängende Problem verschleiern.
Sie sollen die Tatsache verschleiern, dass echter, stumpfer Rassismus in der Bevölkerung vorhanden ist.

Würden Politiker das zugeben, dann müssten sie ja Stellung beziehen. Und das mitunter auch gegen die eigenen Wähler, mit der Gefahr, dass diese sie dann nicht mehr wählen. Letztendlich ist dies also in der freundlichsten Auslegung als miese Masche zur Machterhaltung zu sehen, in der schlechtesten als Verharmlosung oder gar Zustimmung.

Besonders ärgern mich allerdings Aussagen, wie sie vom sächsischen Ministerpräsidenten Tillich vernommen wurden.

„Das ist nicht unser Sachsen!“ äußerte er sich zu den Vorfällen in Heidenau.
Hier zeigt er die ganze Bandbreite an Ignoranz, Verleumdung, Schuldabweisung.

Denn: Es ist eben doch sein Sachsen, in dem diese Dinge passieren. Es sind Bürger in seinem Bundesland, die offen rassistisch agieren und gegen die er wenig bis nichts tut.

„Nicht unser Sachsen!“ Damit suggeriert er keine Verantwortung für die Geschehnisse zu haben und weigert sich gleichzeitig Verantwortung zu übernehmen. Damit lässt er aber auch die Leute im Stich, die sich gegen Rechtsextreme stellen.

Eine solche Wortwahl ist fatal und verantwortungslos. Aber sie fügt sich in das Bild ein, das die Politik in diesen Tagen allgemein abgibt. Sie ist bestürzt, besorgt, empört, aber sie übernimmt keine Verantwortung.

In der Angst Wähler zu vergrätzen distanziert sie sich zwar von Nazis, aber sie bekämpft sie nicht.

Und das ist so fatal, dass ich nur ungern darüber nachdenken möchte, was noch auf uns zukommt.

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